Spandauer Betriebe suchen neue Heimat

Bundespolizei übernimmt Kasernenkomplex in der Wilhelmstadt.

Was wird aus den Gewerbebetrieben in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne, wenn dort eines Tages die Bundespolizei einzieht? Der CDU-Wirtschaftsstadtrat verspricht Alternativstandorte innerhalb des Bezirks. SPD und Linke bezweifeln, dass der Plan aufgeht.

Positive Effekte

Laut Bezirksamt befinden sich derzeit zwölf Firmen auf dem Areal zwischen Seecktstraße und Schmidt-Knobelsdorf-Straße. Gefragt nach deren Zukunft, zeigt sich Wirtschaftsstadtrat Gerhard Hanke optimistisch. „Die Wirtschaftsförderung hat den Gewerbetreibenden bereits im Jahr 2015 die Hilfsinstrumente des Bezirks Spandau, etwa durch die Wirtschaftsförderung angeboten“, so der CDU-Politiker. „Einige Unternehmen, mit denen seit 2015 Kontakt gehalten wurde, konnten erfolgreich in neue Gewerberäume umziehen. Dieses Hilfsangebot besteht auch weiterhin.“

Hanke verspricht sich positive Effekte durch den neuen Standort der Bundespolizei: „Die Ansiedlung der Polizei im Bezirk ist ein Gewinn für Spandau. Insbesondere die Spandauer Wirtschaft wird durch die Beschäftigten der Polizei, die vor Ort gastronomische Einrichtungen und den Einzelhandel frequentieren werden, profitieren.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner erklärte, sich mit Hanke dafür einzusetzen, dass nach dem Auszug der Werkstätten und Geschäfte jeder Arbeitsplatz im Bezirk gehalten wird.

„Zu den Gewerbetreibenden kann ich die Einschätzung von Stadtrat Hanke nicht teilen“, sagt Ina Bittroff, die Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. „Zum großen Teil handelt es sich hier um Kleinbetriebe, die auf dem Gelände in den Genuss einer adäquaten Miete gekommen sind. Dass sich hier Ersatzstandorte innerhalb Spandaus finden lassen, die unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten rentabel sein können, zweifle ich an.“

Die Anzahl der Gewerbeflächen, die derartige Gewerbe zulassen, habe in den letzten Jahren in Spandau abgenommen. „Man denke hier nur an die Beseler Kaserne, die zwischenzeitlich in großen Teilen zum Wohnquartier umgewandelt wurde und auch an die Flächen rund um die Bruno-Gehrke-Halle“, so die SPD-Politikerin. „Ich persönlich befürchte, dass die Gewerbebetriebe weiter an den Stadtrand oder in das Spandauer Umland verdrängt werden. Ob ihnen ihre Kunden dorthin folgen, respektive folgen können, sei dahingestellt.“

Chance vergeben

Auch der Bezirksverordnete Lars Leschewitz (Die Linke) sieht einen Schwund von Gewerbeflächen im Bezirk: „Wir müssen aufpassen, dass infolge der Neubauvorhaben Gewerbeflächen nicht nur nicht verloren gehen, sondern auch neue entwickelt werden. Die Menschen brauchen nicht nur Wohnungen, sondern auch einen Ort, an dem sie arbeiten können.“ Seine Fraktion habe die Entscheidung, die Kaserne an die Bundespolizei zu ,vergeben’, von Anfang an kritisiert. „Hier wurde die einmalige Chance vergeben, ein Quartier in guter Lage zu entwickeln. Stadtentwicklungspolitisch gesehen ist das sehr traurig. Neben vielen neuen Wohnungen wären auch neue Gewerbeflächen möglich gewesen.“

Wie berichtet, sollen Spezialkräfte der Bundespolizei in fünf bis sieben Jahren einen neuen Standort in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne beziehen. Voraussichtlich ab 2021 werden die Gebäude kernsaniert. Neben einer neuen vierten Einsatzeinheit der GSG9 soll auch der Stab der Bundespolizeidirektion 11 untergebracht werden.

Datum: 15. September 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: imago/Stefan Zeitz

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