Durchgangsverkehr: Schotten dicht in der Gartenstadt

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Vier-Taschen-Modell soll das Gebiet für Pendler undurchlässig machen

In der Gartenstadt hat sich die zunehmende Belastung durch den Durchgangsverkehr längst vom Ärgernis zu einer Gefahr für Anwohner entwickelt. Nun liegt ein Konzept vor, wie die Berufspendler aus dem Gebiet ferngehalten werden sollen.

Theoretisch könnte der Bezirk dieses Konzept  kurzfristig umsetzen, ohne die Senatsverwaltung mit einbinden zu müssen. Es wird Ende September von der SPD in den Verkehrsausschuss des Bezirks eingebracht. Christoph Götz, Fraktionssprecher für Verkehrsfragen, beschreibt es als „Vier-Taschen-Modell“: Der Bereich zwischen der A100 im Süden, dem Tempelhofer Damm im Osten, Boelckestraße im Westen sowie Manfred-von-Richthofen-Straße Nordwesten und Norden würde in vier Bereiche unterteilt, die man immer nur in die gleiche Richtung verlassen kann, aus der man in sie hinein fährt.

Zum Trennen der Gebiete würden Poller eingesetzt, damit Radfahrer Durchfahrt haben. Einzige Ausnahme ist der Bundesring, allerdings mit Einbahnstraßen-Regelungen, damit zum Beispiel die Müllabfuhr noch durchkommt, der Bereich für den Nord-Süd-Durchgangsverkehr aber unattraktiv wird.

Senat umgehen

Der Trick, mit dem das Konzept kurzfristig umsetzbar wird: Sämtliche betroffenen Straßen sind nicht Teil des Haupverkehrsnetzes, sondern reine Wohnstraßen im Nebennetz und liegen damit im Zuständigkeitsbereich des Bezirks. Der Vorteil wäre, dass jeder Anwohner noch mit dem Auto zu seinem Haus kommt, wenn auch mit eventuellen Umwegen. Für den Durchgangsverkehr wäre das Gebiet undurchlässig. Auch die Umleitung durch die Gartenstadt, die von Navigationssystemen in Stoßzeiten vorgeschlagen wird, würde entfallen.

Unterschiedliche Vorstellungen

Christoph Götz geht davon aus, dass mehrere Fraktionen den SPD-Antrag unterstützen werden. Zwar haben Grüne, FDP und AfD eigene Anträge zum Thema eingereicht. Die beiden letzteren gehen jedoch nicht so weit wie der von der SPD. Der Grünen-Antrag hingegen geht zum Teil weiter und sieht unter anderem vor, bei der Umgestaltung des Platzes der Luftbrücke, der in den nächsten Jahren erfolgen soll, Maßnahmen zur Verlangsamung und Verringerung des Durchgangsverkehrs einzuplanen. Dies würde ohne Beteiligung des Senats nicht funktionieren, schon gar nicht kurzfristig. Allerdings würde dies einer Umsetzung des Vier-Taschen-Modells auch nicht unbedingt im Wege stehen.

Irrsinniges Verkehrswachstum in der Gartenstadt

In einem Gespräch mit dem Berliner Abendblatt im vergangenen Dezember sprach Ulli Kulke, Sprecher der Einwohnerinitiative, von dramatischen Zuständen in dem Gebiet und einem irrsinnigen Verkehrswachstum. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg hatte sich zwischenzeitlich in die Diskussion eingeschaltet. „Die Radfahrer werden von den massenhaften Autos regelrecht ausgebremst. Für beide nebeneinander ist auf den engen Fahrbahnen kein Platz“, so Stefan Meißner vom Netzwerk. Obwohl es sich um eine Tempo-30-Zone handele, müssten Eltern mit Kindern immer wieder rechts heran fahren, um sich von den drängelnden Pendlern zu befreien. Er fordert, die Manfred-von-Richthofen-Straße in eine Fahrradstraße umzuwandeln.

17.09.2018, Text/Bild: Oliver Schlappat

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