Auf vielen Radwegen im Südwesten wird es gefährlich

Lange Mängelliste in Steglitz-Zehlendorf / Kritik an Strategie des Bezirksamts.

Ganz Deutschland hat über den Zick-Zack-Radweg in der Leo-Baeck-Straße gelacht. Die Posse um versetzte Markierungen in Höhe der Straßenbäume  ist aber nur eines von zahllosen Problemen der Radinfrastruktur in Steglitz-Zehlendorf.

„Der Bezirk verkauft sich als grünes Freizeitparadies, doch viele Radwege sind in einem miserablen Zustand oder viel zu schmal“, sagt der Linke-Bezirksverordnete Hans-Walter-Krause. „An vielen wichtigen Strecken, etwa in der Albrechtstraße, gibt es zudem weder Radwege noch Radverkehrsstreifen.“

Personal fehlt

Wie es um die Radverkehrsanlagen steht, war jetzt Thema einer Anfrage der Linke-Fraktion an das Bezirksamt. Demnach sind auf sieben von 173 Kilometer Radwegen die Schäden so gravierend, dass Hinweisschilder angebracht wurden. So etwa in der Königin-Luise-Straße, im Kronprinzessinnenweg, in der Mühlenstraße (Zehlendorf), Riemeisterstraße, Schützallee sowie Unter den Eichen. Darüber hinaus gebe es viele Radwege, „die sich in einem nicht wünschenswerten Zustand befinden“, so Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). „Für eine umfassende Qualitätsverbesserung aller Radwege fehlt es an zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln und insbesondere an der erforderlichen Personalausstattung im Fachbereich Tiefbau.“

Nicht zuletzt Überwucherungen durch Hecken und stark ausgetriebene Straßenbäume sorgen vielerorts für Gefahr: Dort haben Radfahrer eine eingeschränkte Sicht, werden aber auch selbst, zumal an Kreuzungen, schlechter von Autofahrern gesehen. Schellenberg nennt die Mühlenstraße (Zehlendorf), Sundgauer Straße, Teltower Damm, Clayallee, Nieritzweg und Gallwitzallee. Der Grund sei knappes Personal. Offenbar schwebt ihr für manche Stellen eine radikale Lösung vor: „Das Bezirksamt will dafür werben, dass die störenden Hecken zugunsten breiterer Radverkehrsanlagen weggenommen werden können, und erbittet dazu auch die Zustimmung der Bezirksverordneten.“ Jens Kronhagel (CDU), der Vorsitzende des Ausschusses für Grünflächen, Umwelt und Bürgerbeteiligung, will in seiner Fraktion dafür werben, bei den kommenden Haushaltsverhandlungen das Budget für das Grünflächenamt zu erhöhen, damit mehr Personal für die Grünpflege an den Radwegen eingestellt werden kann.

Umbaumaßnahmen stehen im kommenden Jahr unter anderem am Radweg in der Kaiser-Wilhelm-Straße an. Ein Radverkehrsstreifen wird auf dem Munsterdamm markiert. Neue Radwege sollen 2019 in der Markelstraße und im Fischerhüttenweg entstehen. Zudem werden Asphaltstreifen für Radfahrer im Jungfernstieg und in der Anhaltinerstraße angelegt. Außerdem läuft derzeit der umstrittene Neubau eines Radwegs im Gemeindepark Lankwitz.

Bürger fragen

Krause bezeichnet das Vorgehen des Bezirksamts bei Radverkehrsprojekten als Stückwerk. „Der neue Radverkehrsstreifen am Dahlemer Weg ist eine Katastrophe, auch an vielen anderen Orten gehen die Planungen an den Bedürfnissen der Bürger vorbei“, sagt er. Krause schlägt vor, eine Kommission zu berufen, der auch unabhängige Experten angehören sollen. „Das Berliner Radgesetz gibt uns viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen, es kommt darauf an, dass man auch will“, so Krause.

Datum: 19. September 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iSzock/Dziggyfoto

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