Gotteshaus feiert Geburtstag

Vor 125 Jahren öffnete die Gethsemanekirche  der Grünen-Politiker Andreas Otto gratuliert.

Wer kennt sie nicht, die Gethsemanekirche. Auf einer kleinen Anhöhe an der Stargarder Straße steht der Ziegelbau, majestätisch erhaben und nach Osten ausgerichtet. 1893 stand die Kirche noch ganz allein auf dem Bauplatz, den die wohlhabende Caroline Griebenow gestiftet hatte. Die benachbarten Wohnhäuser kamen etwas später dazu.

Friedensort mit Weltruhm

Andreas Otto (MdB), Die Grünen. (Foto: privat)

Dieses Jahr wird die älteste Kirche von Prenzlauer Berg 125 Jahre alt. Und weil man einem Gebäude schlecht gratulieren kann, gehen meine herzlichen Glückwünsche an die Evangelische Kirchengemeinde. Sie gehen an die vielen Menschen, die die Gethsemanekirche nutzen und erhalten. Die dieses Gebäude mit Leben erfüllen als Raum der Gemeinschaft, als Klangkörper für wunderbare Musik und als Ort des Gebetes. Seit dem Sommer 2017 finden in der Kirche täglich Fürbittandachten für Inhaftierte in der Türkei statt – unter dem Bibelwort „Wachet und Betet“, das schon 1989 als Leitmotiv über dem Eingangsportal hing. Damals wurde die Gethsemanekirche weltberühmt als wichtigster Ort der friedlichen Revolution in Ostberlin. Als am 7. Oktober die bis dahin größte Demonstration des Herbstes ’89 vom Alexanderplatz durch die Straßen der Hauptstadt der DDR zur Gethsemanekirche führte, wurden die Teilnehmer von Polizei und Staatssicherheit verfolgt, eingekesselt und zum Teil festgenommen.

 

Offener Ort

Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, am Abend endlich im Schutz der Gethsemanekirche angekommen zu sein. Am 8. Oktober wurden wieder Leute auf den Straßen verhaftet. Aus heutiger Sicht mag das alles wenig spektakulär sein. Aber in der Diktatur waren Demonstrationen gegen die Regierenden nicht erlaubt und wer verhaftet worden war, wusste nicht, wann sich die Gefängnistür wieder öffnen würde. Es war gut, dass die Gethsemanekirche damals ein offener Ort war für alle, die sich so sehr nach Meinungsfreiheit und Demokratie sehnten. In der Kirche trafen sich die Vertreter der neuen Parteien und Bewegungen, zum Beispiel von „Demokratie Jetzt“ oder dem „Demokratischen Aufbruch“.

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der friedlichen Revolution war Bärbel Bohley, Mitbegründerin der Bürgerbewegung „Neues Forum“, die häufig nach Gethsemane kam. Mit ihren offenen Worten machte sie allen Mut. Als sie im September2010 starb, kamen mehr als 1.000 Leute in die Kirche zur Trauerfeier. Es war, als wenn der Herbst ’89 plötzlich noch einmal zurückgekommen wäre.

Der 125. Geburtstag wird am 29. September mit einem großen Festkonzert gefeiert. Dann wird auch wieder für die laufende Sanierung gesammelt. Das große Gerüst am Turm macht deutlich, dass es noch einiges auszubessern gibt. Damit die Gethsemanekirche auch die nächsten 125 Jahre ein guter Ort für eine aktive Gemeinde und für uns alle in Prenzlauer Berg sein kann.

23.9.2018, Text: Andreas Otto, Bild: Thinkstock/iStock/GBlakeley

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