Wenig Platz für Seniorenheime

Bis Sommer 2019 schließen drei Einrichtungen für ältere Menschen in Wedding und Mitte.

Immer mehr Seniorenheime im Bezirk schließen. Nachdem bereits die Einrichtung am Hackeschen Markt einem Neubau weichen musste, trifft es im kommenden Jahr drei weitere Pflegeeinrichtungen. Zunächst schließt das Wohnpflegezentrum der Stiftung Jüdisches Krankenhaus in der Schulstraße 97 seine Türen.

Das bestätigte die Senatsverwaltung für Gesundheit. Ende März 2019 endet der Nutzungsvertrag des Trägers, „weil sich das Bezirksamt und die Stiftung Jüdisches Krankenhaus nicht über Kauf oder Erbpacht des Grundstücks einigen konnten“. Eines von beidem wäre für die Stiftung nötig gewesen, um die Einrichtung erhalten zu können, da sie sonst keine Basis für die hohen Investitionen gesehen hätte. Schließung beschlossen. Was genau auf dem Grundstück, das dem Land Berlin gehört, nach dem Auszug der Senioren passiert, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist aber der Bau neuer Wohnungen auf dem Areal. Auch der Neubau einer Grundschule oder integrierten Sekundarschule ist im Gespräch. Derzeit läuft für die Bewohner noch die Suche nach passenden Plätzen in anderen Einrichtungen. Die Stiftung geht laut Senat davon aus, bis zum Jahresende „für sämtliche Bewohner einen geeigneten Platz in einer anderen Wohnform gefunden zu haben“.

Kein Einfluss

Auch in der Invaliden- und der Magazinstraße sollen Senioren im kommenden Jahr ihre Koffer packen. Noch befinden sich hier zwei vollstationäre Pflegeeinrichtungen des Trägers „Senioren-Domizil“, die aber bis zum 31. Mai 2019 geschlossen werden. „Das ist eine unternehmerische Entscheidung des Einrichtungsträgers, auf die weder Pflegekassen noch das Land Berlin Einfluss haben“, erklärt die Senatsverwaltung diese Schließungen auf eine entsprechende Frage des Berliner Abendblatts. Zu den Hintergründen für die Schließung lägen noch keine näheren Informationen vor.

Wirtschaftliche Gründe

Doch auch hier dürften wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen. Das Seniorenheim in der Invalidenstraße 120-121 befindet sich im denkmalgeschützten ehemaligen Hotel Baltic. Aus den Alten-Zimmern könnten bald wieder Hotelräume werden. Auch der Standort in der Magazinstraße 6-7, direkt am Alexanderplatz, könnte demnächst ein Büro- oder Wohnhaus werden. Beide Einrichtungen wurden Ende der 90er-Jahre eröffnet. Laut Senat gibt es aber keine Möglichkeiten, private Träger von einer Schließung abzuhalten. Ohnehin seien diese „nicht grundsätzlich problematisch“, teilt er mit. So werden auch immer wieder neue Wohnheime in ganz Berlin geöffnet und Ersatzwohnplätze für alle gefunden. Außerdem seien die bestehenden Einrichtungen im Durchschnitt nicht vollständig ausgelastet. 29.540 Pflegeplätze im Land Berlin sind demnach belegt, 3.652 weitere Pflegeplätze frei. Für viele der Bewohner, die durch einen Umzug aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen werden, bedeutet dieser dennoch eine schmerzliche Umstellung. Viele hoffen,. im Kiez oder zumindest im Bezirk bleiben zu können.

Datum: 3. Oktober 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Pressedienst Nord

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