Warum der Schulweg ohne Eltern sicherer ist

Vor einigen Grundschulen im Bezirk wächst das Verkehrschaos.

“Elterntaxis” sorgen vor vielen Schulen für gefährliche Situationen.  Die SPD fordert gezielte Programme und Aktionen gegen das Problem. An einigen Standorten läuft bereits das Projekt „Zu Fuß zur Schule“.

Jeder kennt die Bilder: Morgens, kurz vor acht Uhr, herrschen vor vielen Schuleingängen chaotische Zustände. Autos kommen angerast und parken kreuz und quer. Eltern hasten mit ihren Sprösslingen Richtung Schulhof. Was viele dieser allzu fürsorglichen Mütter und Väter nicht ahnen: Dieses Chaos ist gefährlich. Wer auf den letzten Drücker angebraust kommt und Gehwege blockiert, gefährdet nicht nur andere Kinder, sondern auch den eigenen Nachwuchs.

Verbotsschild aufgestellt

Die SPD-Bezirksfraktion setzt sich dafür ein, mit gezielten Programmen und Aktion gegen das Problem „Elterntaxis“ vorzugehen. Der Handlungsbedarf ist groß. Kürzlich war die Situation an der Victor-Gollancz-Grundschule eskaliert. Eltern hatten mit einem Schild für „dumme Eltern“ auf das absolute Halteverbot vor dem Schulgelände in Frohnau hingewiesen. Aber auch vor der Reginhard-Grundschule an der Letteallee müsse sich etwas ändern, sagt SPD-Fraktionschef Marco Käber: „Der Aussteigeverkehr vor den Reinickendorfer Grundschulen muss vermindert werden. Der Bezirk muss Eltern gezielt dazu animieren, ihre Kinder wieder in die Lage zu versetzen, den Schulweg zu Fuß bestreiten zu können.“

Bewusstsein schaffen

Einen entsprechenden Antrag kündigt Käber für die Sitzung des Schulausschusses im November an. In einem vorangegangenen Antrag hatten die Sozialdemokraten bereits ein gemeinsames Konzept von Bezirksamt und Schulen gefordert, das unter anderem auf mehr Aufklärungsarbeit in den Klassen setzt. AfD und CDU hatten den Vorstoß im Verkehrsausschuss abgelehnt.

Unterdessen sind einige Schulen bereits aktiv geworden und nehmen an dem Projekt „Zu Fuß zur Schule“ teil. Die vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gesteuerte Kampagne sieht Beratungsangebote für Lehrer, Eltern und Schüler vor. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Projektwochen oder ganzjährige Aktionen zu dem Thema zu organisieren. Außerdem stellt der BUND Material wie Stoff für Transparente zur Verfügung. Das zeigt: Das BUND-Projekt kann das Bewusstsein zwar schärfen und Dinge anstoßen, mit Leben erfüllen müssen die Schulen das Thema selbst.

Langfristige Aktionen

„Seit dem Jahr 2009 haben wir ungefähr 200 Berliner Schulen erreicht, davon liegen elf in Reinickendorf“, sagt Gabi Jung, die Projektverantwortliche beim BUND Berlin. Im Bezirk haben sich unter anderem die Otfried-Preußler-Grundschule in Heiligensee, die Renée-Sintenis-Grundschule in Frohnau und eben auch die Gollancz-Grundschule beteiligt. Aktuell macht die Borsigwalder-Grundschule mit. „Der Erfolg der Aktionen ist schwer messbar, häufig erhalten wir nach der Startphase keine Rückmeldung mehr von den Schulen“, sagt Jung. Sie ist allerdings überzeugt, dass es vor allem langfristiger Vorhaben bedarf, um in den Köpfen der Eltern etwas zu ändern.

Jung empfiehlt unter anderem, regelmäßige Unterrichtsinhalte zur Mobilitätskunde einzurichten. Eindringlich sie an die Eltern: „Wer seine Kinder bis vors Schultor fährt, tut ihnen damit keinen Gefallen. Eine selbstständige Mobilität ist nicht nur gut für die kindliche Entwicklung im engeren Sinne. Nur so können Kinder obendrein lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen.“

Datum: 19. Oktober 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/Kerkez

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