Leben oberhalb der Stadtautobahn

SPD fordert ein zukunftsorientiertes Konzept für Autobahn-Umbau.

Unten fahren Autos, oben spielen Kinder Fußball oder entspannen sich Kleingärtner in ihren Anlagen. Was wie eine Zukunftsvision klingt, ist in Städten wie Paris längst Wirklichkeit. Auch an der Schlangenbader Straße zeigt das denkmalgeschützte Wohnhaus, genannt die „Schlange“, dass Leben über der A 100 möglich ist. Ginge es nach der SPD würde diese Vision auf einem weiteren Teilstück der Stadtautobahn, zwischen den Brücken Neue Kantstraße und Knobelsdorffstraße, ebenfalls umgesetzt. Die Autobahn könnte hier im Zuge ohnehin anstehender Bauarbeiten, wie etwa denen am Mammut-Projekt Rudolf-Wissell-Brücke oder dem Umbau des Dreiecks Funkturm einen „Deckel“ erhalten. „Auf diese Weise könnten wir viel neuen Platz gewinnen“, erklärt der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. Dieser könnte mit grünen Parkanlagen, Sportflächen und Kleingärten gefüllt werden. Die Anwohner würden zudem dauerhaft von Lärm- und Luftbelastung befreit.

Getrennte Quartiere

Die Idee stößt deshalb auch bei einem Großteil der Anwohner und Bezirkspolitiker auf positive Resonanz. Lediglich die Zustimmung der beiden Koalitionspartner Linke und Grüne stehe noch aus. Und die Zeit drängt. Immerhin müssten entsprechende Planungen so schnell wie möglich in die der anderen künftigen Großbaustellen an der Stadtautobahn einbezogen werden. „Uns bietet sich hier eine Jahrhundertchance, die wir auf keinen Fall vertun dürfen“, so Buchholz. Stimmt die Statik, sei sogar Wohnungsbau oberhalb der A 100 denkbar. Bauland wäre mit einer Deckelung aber in jedem Fall gewonnen. Land, das die Stadt dringend benötigt. So könnten Kleingärtner ihre Grundstücke auf die Autobahn verlegen und an anderer Stelle Platz für Wohnungsbau machen. Neben den Flächengewinnen führt die SPD in einem entsprechenden Antrag auch die Reduzierung der Stickoxide in diesem Bereich an. Zudem würden die bislang durch die Autobahn getrennten Stadtquartiere durch eine Deckelung wieder zusammengeführt werden.

Neue Schnellradwege

Denkbar wäre laut Antrag auch das Anlegen eines Radschnellweges entlang der Autobahn 100 vom Rathenauplatz bis zum Heckerdamm. Die SPD-Abgeordneten plädieren nun für die Ausarbeitung einer Masterplanung: „Mit dieser sollen die Autobahnplanungen der 1950er-Jahre im Rahmen der ohnehin erforderlichen Neu- und Ersatzbaumaßnahmen für die dazwischen liegenden Abschnitte mit dem Ziel einer zukunftsorientierten und stadtverträglichen Neuplanung des gesamten Autobahnteilstücks überwunden werden“. Zwar sei mit hohen Kosten zu rechnen, der Wert für die Stadt Berlin würde diese aber wieder ausgleichen.Vorbild für einen möglichen Masterplan könnte Hamburg sein. Dort wird derzeit an einer Deckelung der Autobahn 7 an insgesamt 3,5 Kilometer langen Abschnitten gebaut. Über den Fahrbahnen entstehen in einigen Jahren unter anderem Grünflächen und Fahrradwege (siehe Bild).

Datum: 23. Oktober, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Joko

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