In Lichterfelde gibt es Glück in Gläsern

Miriam und Rüdiger Kebe betreiben eine Manufaktur für feinste Lebensmittel.

Die Sache mit dem Klavier war nicht ohne. Für einen klitzekleinen Augenblick blitzt in den Augen von Miriam Kebe noch einmal ein Fünkchen von dem Widerstand auf, mit dem es ihr Mann Rüdiger zu tun bekam. Als er ihr vorschlug, dieses echte Blüthner-Piano im sowieso schon zu kleinen Gastraum aufzustellen. Wieder zwei gemütliche Sitzplätze im Café weniger… Doch sofort ist es wieder da, dieses Lächeln, das, so beschreibt es ihr Mann, alles und jeden erobert. Weil es so viel Wohlbefinden und Glücklichsein ausstrahlt. Beides – und das ist vielleicht die wichtigste Nachricht – kann man bei Kebes kaufen. Glück im Glas.

Erste Rezepte

Es gab für das Paar 2004 einige wichtige und viele kleinere Gründe, die Feinkost-Manufaktur „Kebe Living“ zu gründen. „Die Zeit war einfach reif dafür, sich mit dieser Idee selbstständig zu machen“, sagt Rüdiger Kebe. Der damals seine gut gehende Marketingagentur dicht machte, um gemeinsam mit seiner Frau jene Art von feiner Kost herzustellen, die es so noch nicht zu kaufen gab. Das war, als Miriam Kebe tagsüber Kochkurse gab und an ersten Rezepten tüftelte, um nachts in einer Friedenauer Restaurantküche die ersten sechs Produkte herzustellen.

„Diese Zeit war anstrengend, machte mich aber unendlich glücklich“, erzählt Miriam Kebe, die schon „als kleines Mädchen die Hände ständig in Essen hatte“ und sich selbst als Köchin aus Leidenschaft bezeichnet. Auf fast 100 Produkten klebt inzwischen das „Kebe Living“-Label mit dem markanten, geschwungenen M. Längst vorbei sind die Zeiten, da man auf Wochenmärkten seine Waren anpries.

Heute ist da der eigene Onlineshop, werden Kebe-Spezialitäten in mehr als 100 Läden in ganz Deutschland angeboten, und es gibt seit 2014 im beschaulichen Lichterfelde-Ost das wunderhübsche Café in der Jägerstraße, in dem es gleichzeitig auch all das zu kaufen gibt, was gleich um die Ecke in der Lorenzstraße hergestellt wird.

Konstantes Bemühen

Und wieder ist von Glück die Rede. Von Glück, gepaart mit der Leidenschaft für Lebensmittel. Beides, so Rüdiger Kebe, sei wichtig: das konstante Bemühen um Qualität und die Prise Glück. Die immer dann gebraucht wird und nötig ist, wenn man nicht auf eine große Marketingmaschinerie zurückgreifen kann und will.

Weil man ausschließlich mit der eigenen Hände Arbeit ein tolles Produkt herstellen möchte, das Menschen aus vielen verschiedenen Gründen glücklich macht. Weil wir, so spürt Miriam Kebe den Gründen dieses Phänomens nach, das Bedürfnis der Menschen nach Echtheit, nach Transparenz und Vertrauen bedienen. „Das alles findet unsere Kundschaft offenbar in unseren Lebensmitteln.“

Herbstlicher Muskatkürbis

Rezept von Miriam Kebe

Kürbis zuerst in Eiweiß wenden, dann im Dukkah wenden, von allen Seiten bedecken und leicht andrücken.

Inzwischen für das Pesto alle Zutaten rasch in einem Blender mixen. Nicht zu lange laufen lassen, weil sonst das Pesto bitter werden kann. Zuletzt mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Nun Kürbis langsam im Olivenöl braten, bis die Spalten soeben gar, knusprig und goldbraun sind. Auf einer großen Platte anrichten und Rucolablätter, Fleur de Sel und Pfeffer darüber geben.

Kürbis mit Pesto und nach Wunsch mit Brot, Kartoffelstampf oder pur genießen.

 

Zutaten

1 Muskatkürbis, geschält und in Spalten geschnitten
2 Eiweiß, verquirlt
4-5 EL Dukkah, würzig oder scharf (z.B. von www.kebe.de)
Olivenöl zum braten
Fleur de Sel
einige Blätter Rucola

Für das Pesto
1 Bund Koriander, grob gehackt
½ Bund glatte Petersilie, grob gehackt
etwas Zitronenschale und einige Tropfen Saft zum abschmecken
200ml Olivenöl
Fleur de Sel
Frisch gemahlener Pfeffer
nach Belieben Baguette oder Kartoffelstampf als Beilage

Organisches Wachstum

Zwölf Angestellte arbeiten inzwischen in Café und Produktion mit. „Ein ebenso kleiner, leicht durchgeknallter, qualitätssüchtiger, unbändig willensstarker und immer motivierter Haufen“, wie es Rüdiger Kebe während der Führung durch die Produktionsräume formuliert. Er errät meine Gedanken. „Klar, hier ist noch jede Menge Potenzial für Vergrößerungen“, sagt er. „Aber wir wollen organisch wachsen.“

Das würde bei den Ansprüchen, die Kebes an ihre Lebensmittel haben, gar nicht anderes gehen. „Wir produzieren vorbei an Modetrends, ausschließlich geschmacksgesteuert, ohne Zusatzstoffe und äußerst schonend.“ Dass Miriam und Rüdiger Kebe damit richtig liegen, beweist auch dieser Gästebuch-Eintrag: „Diese Produkte machen glücklich.“

Datum: 26.10.2018 Text: Ulf Teichert Bilder: Milena Schloesser, Rüdiger Kebe, Michael Handelmann für B.o.B.

WEITERSAGEN