Bezirksamt will mehr Milieuschutz

Bezirksamt plant neue Milieuschutzgebiete in Moabit und Wedding.

Neue Balkone, Aufzüge, mehr Wohnungen. Immer mehr Eigentümer wollen ihre Immobilien aufwerten – meist auf Kosten der Mieter. Aufwertung macht auch vor den Kiezen in Wedding und Moabit nicht Halt. Hier stehen deshalb vermehrt Quartiere unter Milieuschutz. Diesen will das Bezirksamt nun auch für die Gebiete Tiergarten Süd und Thomasiusstraße einrichten. Die entsprechenden Anträge wurden in der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) präsentiert. Und auch für den Soldiner Kiez wurde die soziale Erhaltungsverordnung endlich beschlossen. Eine soziale Prüfung ergab bereits im Juni, dass das Gebiet Soldiner Straße aufgrund eines „hohen Aufwertungspotenzials“ als Erhaltungsgebiet festgesetzt werden soll. Kriterien dafür sind unter anderem der hohe Anteil an Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund von fast 64 Prozent sowie dem hohen Potenzial für Modernisierung. Der Studie zufolge haben 76 Prozent der Wohnungen im Gebiet nur eine einfache Ausstattung, rund 70 Prozent davon sind Altbauten.

Teure Neuvermietung

Die durchschnittlichen Bestands-Nettokaltmieten liegen gemäß der Haushaltsbefragung immerhin noch zwischen 5,70 und 6,30 Euro je Quadratmeter. Bei Neuvermietung werden auch im Wedding bis zu 14 Euro verlangt. So lautet dann auch die Empfehlung der Gutachter: „Bei Verzicht auf eine Soziale Erhaltungsverordnung sind negative städtebauliche Folgewirkungen infolge der Veränderung der sozialen Zusammensetzung der Wohnbevölkerung zu erwarten“. Das Bezirksamt kündigte deshalb bereits im Juni an, den Milieuschutz schnell greifen lassen zu wollen. Nun ist es soweit. Auch das Quartiersmanagement Soldiner Straße (QM) sieht Handlungsbedarf.

Demnach sind auch hier Wohnungsbesichtigungen mit mehr als 30 Menschen keine Seltenheit mehr. Noch vor ein par Jahren undenkbar. Gleichzeitig wächst das kulturelle Angebot im Viertel und die Vielfalt der Cafés und Restaurants. Zum diesjährigen „Panke Parcours“ beispielsweise kamen Menschen aus allen Ecken Berlins. Das QM bemüht sich seit Jahren Netzwerke im Gebiet zu stärken. Ab dem 1. November wird es hier für alle Interessierten eine kostenlose Mieterberatung speziell für Fragen zum Milieuschutz geben, kündigt das QM an. Einmal pro Woche sollen Betroffene und Anwohner dann Gelegenheit haben, sich über das Thema zu informieren und Fragen zu stellen.

Angespannte Situation

Ähnlich angespannt wie im Soldiner Kiez ist die Situation in den beiden anderen geplanten Milieuschutzgebieten Thomasiusstraße und Tiergarten-Süd. Alleine im Gebiet Thomasiusstraße, das unter anderem die Spenerstraße und Calvinstraße umfasst, besteht bei 42 Prozent der Wohnungen „Aufwertungspotenzial“. Hinzu kommt, dass sich fast 94 Prozent der Wohnungen in Privatbesitz befinden, die Bestandsmieten steigen seit Jahren kontinuierlich. In Mitte gibt es bereits sieben Milieuschutzgebiete, davon alleine fünf im Wedding und zwei in Moabit.

Datum: 28. Oktober 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Jürgen Ritter

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