Neue Wege für die Seilbahn

Fraktionen haben verschiedene Pläne für die Zukunft der 64 Gondeln

Die Diskussionen über den künftigen Betrieb der Seilbahn, die auf einer Gesamtlänge von eineinhalb Kilometern zwischen der U-Bahnstation Kienberg und den „Gärten der Welt“ verkehrt, nehmen allmählich Fahrt auf.
Unterschiedliche Bedinungen. Mit über drei Millionen Fahrten war die Seilbahn während der Internationalen Gartenausstellung 2017 noch die ganz große Attraktion.

Im Jahr eins nach der IGA schrumpften die Fahrgastzahlen erwartungsgemäß. „Die Saison blieb hinter unseren Erwartungen zurück. Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen zum letzten Jahr, kann ein Vergleich mit dieser Saison nicht gezogen werden“, teilt dazu Tanja Terruli, Sprecherin der Leitner Seilbahn Berlin GmbH auf Anfrage des Berliner Abendblattes mit. „Die erste Saison nach der IGA reicht nicht für einen Ausblick auf eine Betriebsvariante ab dem Jahr 2021 aus“, warnt sie vor einer verfrühten Bilanz.

In drei Jahren muss entschieden werden, ob die Seilbahn weiterhin im Bezirk betrieben wird. Eine eher theoretische Variante ist da der Weiterbetrieb durch die Firma Leitner selbst. Das Unternehmen, das die Gondeln hier installierte, dürfte sich eher mit dem Modell des Weiterverkaufs der Anlage beschäftigen. Ein heißer Kaufkandidat wäre nach Ansicht einiger Politiker dann die BVG.

Politische Ansichten variieren

Mitte September hatten sich zu diesem Thema der Berliner SPD-Vorsitzende Raed Saleh sowie der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Thilo Schopf gemeinsam mit Mitgliedern der SPD-Fraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf über den Kienberg gondeln lassen. „Wir sind heute hier, um Ihnen mitzuteilen, dass die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hinter dem Vorhaben steht, diese Seilbahn in den öffentlichen Personennahverkehr zu integrieren und die Benutzung der Seilbahn in die Tarife des VBB einzuordnen“, lautete Raed Salehs Botschaft an die Presse.

Seine Fraktion beschäftige sich schließlich seit längerem mit dem Thema, Seilbahnen als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs nutzen zu wollen. Iris Spranger, seine Parteigenossin im Abgeordnetenhaus, unterstützte Salehs Auffassung mit ganz pragmatischer Argumentation: „Eine Seilbahn hat viele Vorteile: Sie ist wesentlich kostengünstiger in Bau und Unterhalt. Auch die Bauzeit ist um ein Vielfaches schneller. Ich bin der Überzeugung, dass es noch andere Orte gibt, an denen sich diese Variante des ÖPNV anbietet. Auf jeden Fall gehört unser Bezirk dazu“, so ihre Feststellung.Reeller Fahrpreis.

Für diese Seilbahn, aber an einem ganz anderen Ort sprach sich inzwischen auch eine AFD-Sprecherin im Abgeordnetenhaus aus. Nach Kristin Brinkers Idee sollten die 64 Kabinen besser über dem Teufelsberg im Grunewald gondeln. Eine Position, der die Bezirks-SPD klar widerspricht: „Unsere Seilbahn bleibt, wo sie ist“, lautete deren klare Forderung zu diesem Thema. Fachleute gehen schließlich davon aus, dass ein reeller Fahrpreis für die einfache Fahrt bei kalkulierten 600.000 Besuchern jährlich um die neun Euro liegen dürfte.

Ein Preis, der nur durch Ticket-Subventionen auf ein bezahlbares Maß für die Einzeltickets gedrückt werden könnte. Übrigens: Montags und dienstags während der Herbstferien bieten die Gärten der Welt und die Seilbahn einen Ferienticket für sieben Euro für einen Erwachsenen plus Kind an.

26. 10. 2018, Text: Stefan Bartylla, Bild: Imago / Emanuele Contiti

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