Neue Hoffnung in der Habersaathstraße

Kündigung der Mieter in der Habersaathstraße hat aber weiter Bestand.

Für gewöhnlich ist es ruhig in der Habersaathstraße. Der Verkehrslärm der viel befahrenen Chausseestraße dringt nicht bis hirerher. Doch hinter der Fassade der Nummern 40 bis 48 rumort es seit Langem. In einem anwaltlichen Schreiben vom Mai wurden den Mietern zunächst umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen angekündigt, die „zu einer nachhaltigen Erhöhung des Gebrauchswertes und einer Verbesserung der allgemeinen Wohnverhältnisse“ führen sollten. Später war dann gar von einem Abriss und anschließendem Luxusneubau die Rede. Doch nun scheint sich das Blatt für die Bewohner des Hauses unweit der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) zum Guten zu wenden. Das zumindest lassen Aussagen von Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) vermuten. „So wie ich das Gesetz lese, ist der Abriss und Neubau vom Tisch“, sagte er nach einer Begutachtung der von dem Eigentümer eingereichten Unterlagen. Der Bezirk könne hier vom im April beschlossenen verschärften Zweckentfremdungsverbotsgesetzes Gebrauch machen.

Kündigungen bestehen

Dennoch gelten die vom Vermieter im September verschickten Kündigungen. Und auch Modernisierungsmaßnahmen sind noch denkbar. Der Vermieter, das ist seit 2017 die Arcadia Estates, hatte bereits unter anderem den Rück- und Neubau der intakten Bäder angekündigt – ebenso wie damit zusammenhängenden Mietsteigerungen. Für die Mieter, darunter auch der Sprecher der Nachbarschaftsinitiative IG HAB, Theo Daniel Diekmann, ein alarmierendes Signal. Sofort informierte er das Bezirksamt und veranstaltete erste Mieterversammlungen. Für Diekmann, der für seine 39-Quadratmeter-Wohnung noch weniger als 300 Euro zahlt, würde sich die Miete durch eine Sanierung mindestens verdoppeln. Wenig später folgten dann die Abrisspläne. Eine Modernisirung sei zu kostspielig. Stattdessen sollte in der Habersaathstraße Platz für 93 Luxusapartments und 41 Tiefgaragenstellplätze entstehen.

Mieter schützen

Die Mieter, von denen einige seit Jahrzehnten in der Habersaathstraße wohnen, hoffen weiterhin auf Unterstützung vom Bezirksamt. Das befürwortet auch der Berliner Mieterverein. „Es ist schlimm, dass in einem so zentralen Kiez auch noch die letzten erschwinglichen Wohnungen wenn nicht dem Abrissbagger, dann der Modernisierung zum Opfer fallen“, erklärt Sebastian Bartels vom Mieterverein, der seit dem Frühjahr mit dem Fall vertraut ist. Das Haus nahe der BND-Zentrale ist, wurde 1984 gebaut und war einst das Mitarbeiterwohnheim der Charité. Auch heute leben hier zahlreiche ehemalige und aktuelle Klinikangestellte. 2006 wurde das Gebäude für rund zwei Millionen Euro verkauft – an Privatinvestoren. Viele der Alt-Mieter sind nach dem erneuten Besitzerwechsel im letzten Jahr bereits ausgezogen. Die Arcadia Estates hatte ihnen im Gegenzug Abfindungen angeboten. Seitdem stehen die Wohnungen leer – und das obwohl das Haus mittlerweile in einem begehrten Viertel Berlins liegt.

Datum: 15. November 2018, Bild und Text: Katja Reichgardt

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