Suchthilfe auf vier Rädern

Das Drogenkonsummobil kommt im nächsten Jahr zum Einsatz.

Immer mehr Drogen, immer mehr Drogensüchtige – die Zahlen des öffentlichen Drogenkonsums in Tempelhof-Schöneberg steigen weiter an. Das teilt Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD) mit. Deshalb sei jetzt in Absprache mit dem Senat eine neue Vereinbarung bezüglich der Suchthilfe im Bezirk getroffen worden: Ab Februar kommenden Jahres wird das Drogenkonsummobil des Trägers Fixpunkt e.V. zum Einsatz kommen.

 

Hilfe anbieten

Dilek Kolat (3.v.l.) und Oliver Schworck (l.) wollen die Hilfsangebote für Suchtkranke steigern

Durch Rückmeldungen aus der Anwohnerschaft stellt sich laut Schworck schon seit dem Frühjahr 2017 heraus, inwiefern und wo häufiger und mehr Drogen konsumiert werden. Das betreffe unter anderem den Nelly-Sachs-Park, den U-Bahnhof Bülowstraße, den Bayerischen Platz, den U-Bahnhof Yorckstraße, den Kurt-Hiller-Park, den Platz an der Apostel-Paulus-Kirche und der 12-Apostel-Kirche, den S-Bahnhof Tempelhof und den U-Bahnhof Alt-Tempelhof. Die konkreten künftigen Einsatzorte für das Drogenkonsummobil stehen noch nicht fest. „Derzeit wird geprüft, welche Standorte dafür in Frage kommen“, sagt Schworck. Das Angebot dieses Drogenkonsummobils, also einer aufsuchenden Drogenhilfe, reicht von medizinischer Aufsicht während des Konsums über medizinisch-pflegerische Beratung bis hin zur Vermittlung von Hilfsangeboten.

Saubere Sache

„Drogenkranke Menschen benötigen unsere Hilfe“, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kolat. Einerseits würden sie einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten und zu medizinischer, psychologischer und pflegerischer Beratung brauchen. „Andererseits müssen wir dafür sorgen, dass sie, wenn sie Drogen konsumieren, dies in sauberer Atmosphäre und mit sterilem Drogenbesteck tun. Dies verhindert Krankheiten und sorgt dafür, dass benutztes Besteck nicht im öffentlichen Raum entsorgt wird“, erklärt Kolat.

Begleitende Streetwork

Mit den Bemühungen für den Einsatz des Mobils setzt Schworck eine klare Forderung zum Thema Suchthilfe aus dem Bezirksparlament um. „Mein Ziel ist es, ein umfassendes bezirkliches Suchthilfesystem aus Beratung, Prävention und begleitender Sozialarbeit zu entwickeln. Suchtkranke Menschen sollen nicht nur punktuell, sondern langfristig und umfassend mit verschiedenen Angeboten begleitet werden“, fordert Schworck. Alle umgesetzten und geplanten Maßnahmen sollen dazu führen, dass das Gesundheitsrisiko für Parkbesucher und spielende Kinder sinkt, vor allem im Hinblick auf benutztes Drogenbesteck. Die Installation von Spritzenabwurfbehältern sowie der Einsatz von begleitender Streetwork seien in der konkreten Vorbereitung beziehungsweise stünden kurz vor der Umsetzung.

Aufenthaltsort für Junkies

Als Ziel aller Bemühungen soll ein abgestimmtes Gesamtkonzept stehen, das die Belastungen und Gesundheitsgefahren durch offenen Konsum von Drogen minimiert und Hilfen für die Junkies selbst bietet. Der Drogennotdienst hält bereits seit Jahren qualifizierte Beratung und andere Hilfsangebote für Drogensüchtige vor. „Ergänzend benötigen wir aufsuchende Straßensozialarbeit, um die Konsumenten da zu erreichen, wo sie sich aufhalten, um sie dann über Hilfsangebote zu informieren“, sagt Schworck. Außerdem sei es notwendig, einen leicht zugänglichen Aufenthaltsort für Drogensüchtige zu schaffen. Dieser Bedarf sei dem Senat bereits gemeldet worden.

Datum: 23. November 2018, Autor: Sara Klinke, Bilder: Thinkstock/iStock/itakdalee, SenGPG

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