Marzahn-Hellersdorfer Feuerwehren im Stress

 Immer mehr Einsätze werden durch Freiwillige Wachen übernommen.

Zu mehreren Bränden musste die Feuerwehr in der Nacht vom 17. auf den 18. November ausrücken. Drei Autos und mehrere Müllcontainer hatten an verschiedenen Orten innerhalb einer Stunde in Flammen gestanden. Gegen 23 Uhr waren es ein brennender Mercedes und brennende Mülltonnen in der Allee der Kosmonauten, die die Feuerwehr auf den Plan riefen. Wenige Minuten später entdeckten Polizeibeamte auch in der Marzahner Chaussee brennende Mülltonnen und knapp eine halbe Stunde später brannte es schließlich vor einem Wohnhaus an der Beilsteiner Straße: Zwei Autos sowie ein dazwischenstehender Müllcontainer standen in Flammen. In dieser gar nicht mal so untypischen Marzahn-Hellersdorfer Nacht war viel Glück im Spiel, weil die Feuerwehr alle Brände noch rechtzeitig löschen konnte und die Polizei unmittelbar danach den mutmaßlichen Tatverdächtigen stellen konnte.

Einsatz Am Limit

Glück, das den Marzahn-Hellersdorfer Nachbarn hoffentlich noch oft genug zur Seite steht, denn der Brandschutz und die Sicherheit in den äußeren Berliner Bezirken stehen derzeit mächtig unter Druck. Eine Belastung, mit der sich jetzt auch ein BVV-Antrag der Marzahn-Hellersdorfer CDU-Fraktion beschäftigte. „In den letzten Wochen mussten wiederholt mangels ausreichenden Personals bei der Berufsfeuerwehr die Freiwilligen Feuerwehren aushelfen. Es wurden dabei sogar teilweise Berufsfeuerwachen durch Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus anderen Bezirken unterstützt“, heißt es dazu in dem Papier. Die Zustände seien unhaltbar und gefährlich und der Brandschutz und die Sicherheit im wachsenden Bezirk trotz des großen ehrenamtlichen Engagements der Freiwilligen Feuerwehren äußerst kritisch.

Jetzt muss gehandelt werden

Einen solchen Handlungsbedarf kann auch Lutz Großmann als Landesbeauftragter der Freiwilligen Feuerwehr Berlin bestätigen. „Grundsätzlich ist es ja schon so gedacht, dass unsere Kräfte die Berufsfeuerwehren auch an den Stellen unterstützen, wo sich Personalengpässe aufgrund von Umbesetzungen, Schulungen oder Krankheitsausfällen ergeben. Der Umfang unserer Leistungen hat sich aber in den vergangenen Jahren auf ein riesiges Maß erhöht“, erklärt Großmann. Allein in Hellersdorf wurden im Jahr 2018 rund 1.400 Einsätze von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr gefahren.

„Das ist eine Zahl, die die ehrenamtlich tätigen Kollegen in den vergangenen Monaten nur mit einem Riesenaufwand bewältigen konnten“, bestätigt Jörn Müller, Großmanns Stellvertreter im Landesvorstand. Personalmangel, Bestandslücken in der Technik und nicht zuletzt auch fehlende Ausbilder würden dafür sorgen, dass die Sollstärke der Berufsfeuerwehr immer weniger eingehalten werden kann. „Die Grundsicherheit ist weiterhin gewährleistet. Aber wenn allein die Anfahrtswege der Einsatzfahrzeuge durch Umstellungen und Verlagerungen immer weiter werden, könnte das im Extremfall bereits Folgen haben.

Nachwuchsprobleme drücken

Vor allem das Personal-Recruiting mache für die kommenden Jahre Sorgen. „Auch wenn in Hohenschönhausen jetzt eine weitere schöne, große Feuerwehrwache für die Berufsfeuerwehr gebaut wird, ist das Personalproblem dafür noch gar nicht gelöst“, sagt Großmann, der weiß, dass dieser Mangel bereits mit den Zuständen auf der Schulzendorfer Feuerwehrakademie beginnt. „Auch dort fehlt es an Ausbildern und Infrastruktur, um dem aktuellen Bedarf zu entsprechen. Wenn dann noch Probleme mit der Technikausstattung vor Ort dazu kommen, könnten sich Probleme mit größeren Dimensionen ergeben“, so der Landesleiter.

Datum 26.November 2018, Text: Stefan Bartylla, Bild: imago/ Marius Schwarz

WEITERSAGEN