Wo Reinickendorf am gefährlichsten ist

Höchste Zahl an Straftaten in Tegel-Süd – viele Einbrüche im Norden.

Geht es nach dem aktuellen Kriminalitätsatlas der Polizei, ist der Tegeler Süden die gefährlichste Gegend im Bezirk. Dort wurden 2017 die meisten Straftaten begangen. Aber auch die Eigenheimkieze im Norden haben Probleme.

Die Kriminalität im Bezirk ist im vergangenen Jahr gegenüber dem Jahr 2016 leicht zurückgegangen. Laut  Kriminalitätsatlas wurde 2017 eine Gesamtzahl von 30.093 Fällen, also 11.456 Delikte pro 100.000 Einwohner registriert. 2016 waren es 30.390 und 11.677 Fälle. Mit insgesamt 96.716 beziehungsweise 25.864 Straftaten pro 100.000 Einwohner wurden 2017 die meisten Straftaten im Bezirk Mitte festgestellt.

Vor allem Diebstähle

Zwischen den Kiezen gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. In dicht besiedelten Stadtteilen wie dem Märkischen Viertel wurden wesentlich mehr Straftaten verübt als im dünn besiedelten Tegel-West oder Heiligensee. Auf die höchste Zahl an Straftaten kommt Tegel-Süd, also der Bereich zwischen Flughafensee, Scharnweberstraße und Kurt-Schumacher-Platz. Dort wurden 5.197 Vorfälle, also 33.868 Taten pro 100.000 Einwohner gezählt. Es folgen das Märkische Viertel (3.519 Straftaten) und die Gegend rund um die Auguste-Viktoria-Allee (3.434).

Wie in den meisten anderen Bezirken führt der Diebstahl die Statistik der Verbrechensarten an. Das Märkische Viertel lag 2017 mit 1.412 Delikten vorn, gefolgt von Alt-Reinickendorf (1.303) und Waidmannslust/Wittenau/Lübars (1.257). Die von Eigenheimsiedlungen geprägten Kieze Frohnau und Hermsdorf kommen auf 918 erfasste Taten. Diese bürgerlich geprägten Ortsteile lagen angesichts von 178 Einbrüchen in dieser Kategorie auch berlinweit vorne. Die wenigsten Einbrüche gab es in Tegel-West (22) und Heiligensee (66). Kein Gewaltdelikt wurde so häufig begangen wie Körperverletzung. Und das vor allem im Märkischen Viertel (529) und im Großraum Auguste-Viktoria-Allee (429).

„2017 gab es einen Anstieg der Kriminalität um mehr als 100 Prozent“, kommentiert Eberhard Schöneberg, der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, die Situation im Tegeler Süden. „Diese Bezirksregion war schon immer stark belastet, weil die JVA Tegel mit rund 900 Straftaten mitgezählt wird.“ Etwa 17 Prozent aller in Tegel-Süd erfassten Straftaten würden dort geschehen, sogar 90 Prozent aller Rauschgiftdelikte, bilanziert der CDU-Politiker und frühere Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei.

Hinzu kämen hauptsächlich Körperverletzungen, Nötigung und Bedrohung. 2017 seien zudem erstmalig die von der Bundespolizei und der Berliner Polizei auf dem Flughafen Tegel aufgenommenen Straftaten mitgezählt worden. Schöneberg: „Das sind 3.700 oder 61 Prozent aller in dieser Bezirksregion erfassten Straftaten. Tegel ist also, wie auch in den vergangenen Jahren, ein eher unauffälliger Ortsteil.“

Mehr Polizeipräsenz

Die CDU-Bezirksfraktion fordert den rot-rot-grünen Senat auf, die Vor-Ort-Präsenz der Polizei zu verstärken. Dazu sollen temporär Außenstellen wie Polizeibüros, Kontaktstellen und mobile Wachen in Frohnau, Hermsdorf, Konradshöhe, Lübars, Märkisches Viertel, Reinickendorf-Ost, Reinickendorf-West und Waidmannslust eingerichtet werden. Außerdem soll geprüft werden, ob in der Ruppiner Chaussee eine Nebenwache des Polizeiabschnitts 11 geschaffen werden kann. Ein entsprechender CDU-Antrag wurde im Oktober in der Bezirksverordnetenversammlung einstimmig beschlossen.

Datum: 30. November 2018. Text: Nils Michaelis. Bild: Thinkstock/iStock/mactrunk

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