Bahn verkauft Westkreuzbrache

Die FDP plädiert weiterhin für Wohnungsbau auf dem Areal.

Die Zukunft des Areals zwischen Grunewald und Lietzenseepark ist weiterhin unklar. Seit Jahren versucht das Bezirksamt die Westkreuzbrache als Grünfläche festzuschreiben. Im geplanten „Westkreuzpark“ soll Platz für Gemeinschaftsgärten und Erlebnisbereiche sein, der unter anderem von Schulklassen genutzt werden könnte. Am Rande der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde nun aber bekannt, dass die Deutsche Bahn AG, bislang Eigentümer der Brache, diese veräußert hat. Noch ist der Kaufvertrag ist zwar unwirksam, da der Finanzvorstand der Bahn AG dem Verkauf noch zustimmen muss. Der zuständige Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sprach aber bereits von einem Kaufpreis, der „hochspekulativ“ sei. Ihm sei unklar, was der Käufer mit der Fläche vorhabe und suche das Gespräch. Bei dem Käufer handelt es sich wohl um den Berliner Investor Uwe Glien, dem bereits die S-Bahn-Bögen gehören.

Ungewisse Nutzung

Bisher ist das Areal als Eisenbahnbetriebsfläche gewidmet, nebenan befinden sich unter anderem zahlreiche Kleingärten. Wie es jetzt mit dem rund 30.000 Quadratmeter großen Areal weitergeht ist ungewiss. Bislang sah es so aus, als wäre eine Umwandlung in einen Park trotz einiger Kritik die wahrscheinlichste Variante. Erst im Sommer fand eine Auslegung zur Änderung des Flächennutzungsplans statt, an der sich Anwohner beteiligen konnten. Die Grünen riefen Interessierte dazu auf, sich für die Umwandlung in eine öffentliche Grünfläche einzusetzen. Die Befürworter des Projekts „Westkreuzpark“ argumentieren mit dem notwendigen Erhalt der Kaltluftschneise in diesem Areal. „Würde man diese Fläche bebauen, würde diese Schneise unterbrochen und somit zu einer Verschlechterung der Luft in der City-West führen“, erklärt die Fraktion der Grünen in einem Aufruf zur Beteiligung. Zudem gebe es in dem Bereich rund um Halensee ohnehin zu wenig Grün- und Erholungsflächen. Ein Park würde außerdem endlich den Zugang des S-Bahnhofs Westkreuz von der Ostseite ermöglichen – auch für Radfahrer und Fußgänger.

Wohnungsbau ermöglichen

Unverantwortlich ist die geplante Umgestaltung des Areals am Westkreuz für die FDP-Fraktion. Bereits im vergangenen Jahr plädierte sie für den Bau neuer Wohnungen an dieser Stelle. „Der Berliner Senat und das Bezirksamt wollen eine zentrale Brachfläche in City-Lage zwischen den Bahnhöfen Westkreuz und Charlottenburg, auf der gut 900 Wohnungen entstehen könnten, als Grünfläche festschreiben. Dringend benötigter Wohnraum kann an dieser Stelle dann leider nicht mehr realisiert werden“, hieß es unter anderem in einer Erklärung der Charlottenburg-Wilmersdorfer FDP. Und auch nach dem Verkauf des Areals am Westkreuz hält der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, Johannes Heyne, an den Forderungen fest. Ein Bedarf an Grünflächen an dieser Stelle erschließt sich ihm nicht, der für kostengünstigen Wohnraum hingegen schon. „Wie so oft versucht der grüne Stadtrat (Schruoffeneger) auch an dieser Stelle, den zweiten vor dem ersten Schritt zu tun. Anstatt für ein investitionsfreundliches Umfeld zu sorgen und Brachflächen für Wohnungsbau zu entwickeln versucht er, mit rechtlich bedenklichen Methoden dem Grundstückseigentümer vorzuschreiben, wie er sein Gelände künftig zu nutzen hat“, so der FDP-Politiker.

Datum: 2. Dezember 2018, Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Schöning

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