Sonntags-Shopping mit Für und Wider

Der heilige Sonntag ist in Gefahr – sagen die einen. Endlich mal in Ruhe einkaufen – freuen sich die anderen. Was stimmt denn nun?

Was ist der Unterschied zwischen der Berlin Art Week, dem Höhepunkt des Berliner Kunstjahres, zu dem zehntausende Kunstkenner und -Sammler aus aller Herren Länder in die deutsche Hauptstadt pilgern, und dem Louis Lewandowski Festival für synagogale Musik? Ganz einfach: Die Berliner Kunstwoche ist laut Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg nicht groß und bedeutend genug, eine Sonntagsöffnung der Geschäfte zu rechtfertigen.

Zugegeben: Das war etwas polemisch. Fakt aber ist, dass die klagefreudige und für den Einzelhandel zuständige Gewerkschaft Verdi im Falle des verkaufsoffenen Sonntags nicht nur den Weihnachtsmarkttrubel als Anlass akzeptierte, sondern das eigentlich nur wirklichen Fans bekannte Musikfestival.

Religiöse Gründe

Wer sich jetzt dafür interessiert: An vier Tagen präsentieren Chöre und Orchester aus der Ukraine, Russland, Deutschland und Israel Stücke und Liturgien des namensgebenden deutsch-jüdischen Komponisten (1821-1894) sowie Musik anderer alter und zeitgenössischer jüdischer Lautmaler. Das große Abschlusskonzert findet am 23. Dezember, 17 Uhr, in der Synagoge Rykestraße statt.

Dass es in der shoppingintensiven Adventszeit nur am 9. und 23. Dezember zu sonntäglichen Ladenöffnungen kommt, hat der Verbraucher einer konzertierten Aktion von evangelischer und katholischer Kirche zu verdanken. Aufgrund einer gemeinsamen Klage des Erzbistums Berlin mit der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die es bis vor das Bundesverfassungsgericht gebracht hatte, entschied dieses am 1. Dezember 2009, dass die Gesamtzahl der acht zum Verkauf freigegebenen Sonn- und Feiertage in Berlin zwar nicht gesetzeswidrig, die bis dato vier aufeinanderfolgenden verkaufsoffenen Adventssonntage in Berlin jedoch aus religiösen Gründen und solchen der persönlichen Erholung und sozialen Teilhabe unzulässig seien

Jedes Bundesland behandelt das Thema anders. Sind in Baden-Württemberg zum Beispiel nur drei Sonntage zulässig, wird in vielen Ländern an vier, in Brandenburg an sechs Sonntagen geöffnet. Ein Grund für die Zurückhaltung in Sachen Sonntagsarbeit liegt im Grundgesetz. In dessen Artikel 140 heißt es: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“

Gesetzlicher Schutz

Während die international als Shoppingmetropole vermarktete Stadt für Besucher und Touristen natürlich gerne immer auch an Sonntagen alle Geschäfte offen halten möchte, ist für die Berliner selbst weitaus wichtiger, dass es inzwischen viel mehr Möglichkeiten zum abendlichen und nächtlichen Einkauf gibt. Viele Einkaufscenter und größere Supermärkte öffnen auch werktags teilweise bis 23 Uhr und länger und ermöglichen somit ihren Kunden die Besorgung von alltäglichen Waren und Gütern auch noch lange n ach deren Feierabend.

Zurück zum Sonntag: Gerade eben hat die zuständige Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales die ersten drei von wieder einmal acht verkaufsoffenen Sonntagen veröffentlicht. Im ersten Halbjahr 2019 dürfen sich die Berliner und ihre vielen Gäste auf den 27. Januar (Internationale Grüne Woche), 17. Februar (Internationale Filmfestspiele) und 10. März (Internationale Tourismusbörse) als Shopping-Sonntage freuen.

Verkaufsoffene Sonntage: Müssen die wirklich sein?

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Flohmärkte

Wer unbedingt am Sonntag einkaufen gehen möchte, dem seien die vielen Berliner Floh-, Trödel- und Antikmärkte empfohlen, die an den meisten Sonntagen zum Feilschen, Stöbern und Kaufen einladen. Der auch unter Touristen bekannteste Flohmarkt ist der im Mauerpark.

Das beliebte Ausflugsziel bietet jeden Sonntag und bei Wind und Wetter neben Mode, Schmuck, Design und Vinyl auch Snacks und Getränke und eine ausgewogene Mischung aus Amateur- und Profiverkäufern.

Der bekannteste Trödel- und Kunstmarkt Berlins ist jener auf der Straße des 17. Juni. Hier wird sogar fündig, wer hochwertige Antiquitäten und Kunsthandwerk sucht. Eine Auflistung der meisten Berliner Flohmärkte gibt es online.

Jedes Wochenende ist Trödelmarkt in der Arena in Berlin-Treptow. Die Arena, heute eine Veranstaltungshalle war zur DDR-Zeit eine Abstellhalle für Busse.

Datum: 07. Dezember 2018 Text: Manfred Wolf Bilder: Emmanuele Contini, imago/Hohlfeld

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