Kirchengemeinde hilft Menschen in Not

Samariter-Kiez: Kinder sammeln Spenden für die Flüchtlingsarbeit / Engagement hat eine lange Tradition.

Zwei Monate lang haben die Kinder der Evangelischen Kirchengemeinde Auferstehung in Friedrichshain Pesto und Marmeladenbrote verkauft und so im Rahmen der Aktion „KINDERCENT“ des Deutschen Kinderhilfswerkes 1.484,51 Euro gesammelt. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat diesen Betrag verdoppelt.  Der Scheck in Höhe von 2.969,02 Euro kommt der Flüchtlingsarbeit der  Evangelischen  Kirchengemeinde Galiläa Samariter zugute. Die Spende wird zum Aufbau eines Deutsch-Lernangebots, zum Betreiben des  Begegnungscafés sowie für die Rechtsberatung von Asylsuchenden eingesetzt.

Schnell heimisch

Charles Sebastian Böhm organisierte die Aktion, er ist Leiter des Kirchenprojektes „Kinder brauchen Matsch“. Gemeinsam wurde der Scheck unlängst in der Friedrichshainer Samariterkirche, Friedensstraße 83, überreicht.  „Die Ausländerarbeit gibt es bei uns seit 25 Jahren, eigentlich schon zu DDR-Zeiten“, erklärt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Edeltraut Elizabeth Pohl: „Die Gemeinde der Samariterkirche war immer politisch. Wir haben Flüchtlinge bei uns untergebracht, die haben bei uns gewohnt.“ Jüdische Flüchtlinge aus Russland waren die ersten, die kamen. Sie seien ganz schnell heimisch geworden in den jüdischen Gemeinden, da war die Kirche nur ein Sprungbrett.

Großes Netzwerk

Dann kamen die Bosnier, dann kamen die ersten Afrikaner, Sudanesen. Sie trafen sich in dem Café in der Samariterkirche, das heute noch existiert. Dort finden zweimal in der Woche, immer am Mittwoch und am Samstag, 16 bis 18 Uhr, Veranstaltungen statt. „Jetzt haben wir mit Leuten zu tun, die aus den Krisenherden der Welt kommen“, erklärte Pohl. Der betreuende Verein nennt sich „Asyl in der Kirche“. Pohl:  „Wir bringen die Leute unter und teilen das auch dem Bundesamt mit, dass wir darum bitten, die ganzen Unterlagen erneut zu prüfen. Von dem Augenblick an sind die Leute nicht mehr versichert und sie bekommen auch kein Geld mehr vom Staat. Wir müssen dann für die Unterkunft sorgen, für den Lebensunterhalt und auch für Fahrkarten und alle diese Dinge.“ Die Leute dürfen nicht an Stellen gehen, wo sie gefährdet sind, kontrolliert zu werden, sie würden aufgegriffen werden und dann in die Abschiebehaft kommen. „Auch wenn sie ein Schreiben dabei haben, dass sie im Kirchenasyl sind, nützt ihnen das in dem Fall überhaupt nichts“, so Pohl. Die Leute müssen ohne Krankenschein medizinisch versorgt werden und wenn sie traumatisiert sind, einen Psychologen finden, zuständig ist zum Beispiel das Zentrum für Folteropfer. „Jeder von uns hat ein Netzwerk von Ärzten, die bereit sind solche Dinge zu tun.“ Wenn Laboruntersuchungen nötig sind, muss das auch bezahlt werden.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die Leute können auch nicht einfach so alleine sein, denn viele sind traumatisiert. „Einen traumatisierten Menschen müssen sie unterstützen, damit er einen Neuanfang schafft“, sagt Pohl. Deutschunterricht muss organisiert werden. Das Kirchenasyl ist nur ein Schwerpunkt der Arbeit, es werden auch Anträge ausgefüllt, bei der Wohnungssuche geholfen oder Bewerbungen geschrieben.

Alle Mitarbeiter der Galiläa-Samariter-Gemeinde arbeiten ehrenamtlich. Der Verein finanziert sich durch Spenden oder durch Veranstaltungen, zum Beispiel Konzerte. Gerade bereitet Pohl ein interreligiöses Gespräch vor: „Es nimmt ein Imam, ein Rabbiner, eine Buddhistin, ein Atheist und ein Theologe teil, die alle über ein bestimmtes Thema diskutieren werden.“ In diesem Jahr wird das Gespräch im April stattfinden, und es wird auch die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram teilnehmen.

Text und Bild: Anne-Lydia Mühle

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