Berliner haben etwas mehr Geld

Die Quote armutsgefährdeter Berliner beträgt in ganz Berlin beträgt noch 14,1 Prozent.

In Berlin sind mehr Menschen von Armut bedroht als in vielen anderen Bundesländern. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere, die etwas mehr Glanz verbreitende Tatsache ist: Die Quote der armutsgefährdeten Menschen (sie verfügen mit 841 Euro im Monat über weniger als 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf-Einkommens) ist seit 2003 stetig gesunken. Lag sie damals noch bei 18,2 Prozent, betrug sie Ende 2014 noch 14,1 Prozent. Diese durchaus positive Entwicklung ist dem aktuellen Sozialbericht des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zu entnehmen. Verbessert hat sich vor allem die Lage der über 62-Jährigen und von Familien mit Kindern. Waren zum Beispiel 1996 noch mehr als ein Drittel der Alleinerziehenden armutsgefährdet, sind es inzwischen weniger als ein Viertel. Letztere Tatsache führt Susanne Gerull, Professorin für Soziale Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule, unter anderem auf verbesserte Kinderbetreuung zurück.

Ungleichheit wächst

Fest steht, dass viele unterschiedliche Faktoren zu Armutsgefährdung führen: Arbeitslosigkeit, niedriger Bildungsstand vor allem unter jungen Menschen, migrantischer Hintergrund oder zu wenig Wohnraum für Geringverdienende. Alles Ursachen für ein immer noch hohes Armutsrisiko in der deutschen Hauptstadt, in der zwischen dem Sorgenkind Neukölln (21,5) und dem Spitzenreiter Pankow (6,9 Prozent Armutsgefährdung) inzwischen Welten liegen.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Charlottenburg-Wilmersdorf liegt jeweils im sogenannten Mittelfeld. Was jedoch den Abstand zwischen Reich und Arm betrifft, liegt der Bezirk an der Spitze. In keinem anderem Bezirk ist die Einkommensungleichheit so ausgeprägt.

Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) sieht die Ursache in den unterschiedlichen Charakteren der einzelnen Ortsteile, den „Einkommensmöglichkeiten“ und dem Angebot an „bezahlbaren Wohnraum“. Grunewald und Schmargendorf stehen gemeinsam Charlottenburg-Nord gegenüber.

Daher ist für Engelmann „der Ausbau der Infrastruktur zur Förderung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig.“ Doch obwohl sich der Bezirk in der Vergangenheit „beim Senat für den Ortsteil Charlottenburg-Nord für ein Quartiersmanagement“ einsetzte, fiel dieses Anliegen „aufgrund der Gesamtlage im Bezirk“ regelmäßig „hinten runter“. Der Bezirk bemühte sich daher, „aus eigenen Mitteln ein Bürgerzentrum mit Jugendclub, eine Bibliothek und ein Bürgeramt zu schaffen.“ Im Herbst 2015 hat das Stadtteilzentrum in Charlottenburg-Nord seine Arbeit aufgenommen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der Dach- und Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege mit rund 700 Mitgliedsorganisationen, unterstützt den Bezirk beim Auf- und Ausbau von „Stadteilzentren, sowie Beratungs- und Netzwerkstrukturen“ und der Förderung von „gemeinschaftlichen Leben und Wohnen und der Begegnung im Bezirk“. Für Carsten Engelmann gilt: „Uns ist wichtig, dass kein Stadtteil zu kurz kommt.“

Friedrichshain-Kreuzberg

Friedrichshain-Kreuzberg liegt im Ranking aller zwölf Bezirke mit 18,5 Prozent auf dem mit dem Bezirk Mitte geteilten dritten Platz hinter Spandau (18,6) und Neukölln. Dieses schlechte Abschneiden macht sich bei allen risikorelevanten Kriterien bemerkbar. Zum Beispiel Bildung: 17,3 Prozent der Bevölkerung über 25 Jahre im Bezirk verfügte Ende 2014 weder über die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung (Berlin: 15,6 Prozent). Auf positive Effekte durch die neu eingerichtete Jugendberufsagentur in Friedrichshain-Kreuzberg hofft die Grünen-Politikerin Fadime Topac. „70 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, wir müssen mehr Jugendlichen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnen“, sagt die Vorsitzende des Sozialausschusses. Die hohe Arbeitslosigkeit gerade unter Jugendlichen aus Migrantenfamilien in Kreuzberg würde aber auch mit der mangelhaften Akzeptanz seitens der Ausbildungsbetriebe zusammenhängen. „Das Bezirksamt sollte verstärkt auf lokale Firmen einwirken, junge Migranten einzustellen“, so die Bezirksverordnete.

Lichtenberg-Hohenschönhausen

Der Nord-Ostbezirk belegt im Ranking der sogenannten Armutsgefährdung aller zwölf Bezirke mit 13,7 Prozent einen Mittelfeldplatz hinter den Berliner Spitzenreitern Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau (18,6) und Neukölln. Sogar der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf belegt eine schwierigere Position in dieser Reihenfolge, als Lichtenberg. Dieses relativ überraschend gute Abschneiden lässt sich aus anderen Kriterien ableiten. So liegt der Anteil der Bevölkerung mit niedrigem Bildungsstand im Bezirk bei 10,9 Prozent und damit auf dem drittbesten Rang und um rund zehn Prozent besser, als vergleichbare Zahlen in Neukölln oder in Kreuzberg oder „Spitzenreiter“ Mitte, in dem 22,8 Prozent der Bevölkerung über 25 Jahren weder über die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung verfügten. Eine Quote, die sich auch im Erwerbslosenanteil niederschlägt: Relativ gute 10,1 Prozent aller Lichtenberger sind derzeit arbeitslos gemeldet.

Marzahn-Hellersdorf

Der Ostbezirk belegt im Ranking der sogenannten Armutsgefährdung aller zwölf Bezirke mit 13,4 Prozent einen Mittelfeldplatz hinter den Berliner Spitzenreitern Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau (18,6) und Neukölln. Sogar der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf belegt eine schwierigere Position in dieser Reihenfolge, als Marzahn-Hellersdorf. Dieses relativ überraschend gute Abschneiden lässt sich aus anderen Kriterien ableiten. So liegt der Anteil der Bevölkerung mit niedrigem Bildungsstand im Bezirk bei 13,2 Prozent und damit um rund zehn Prozent besser, als vergleichbare Zahlen in Neukölln oder in Kreuzberg oder „Spitzenreiter“ Mitte, in dem 22,8 Prozent der Bevölkerung über 25 Jahrenweder über die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung verfügten. Eine Quote, die sich auch im Erwerbslosenanteil niederschlägt: Relativ moderate 10,6 Prozent aller Marzahn-Hellersdorfer sind derzeit arbeitslos gemeldet.

Mitte

Insgesamt hat die Armutsgefährdung in Mitte abgenomen. Die aktuelle Statistik beweist, dass das Risiko zu verarmen, vor allem Familien mit Kindern und migrantischem Hintergrund trifft.

Wie aber sieht‘s nun konkret in Mitte aus? Das Dreigestirn – Altbezirk Mitte, Tiergarten und Wedding ­– liegt im Ranking aller zwölf Bezirke mit 18,5 Prozent auf dem mit Friedrichshain-Kreuzberg geteilten dritten Platz hinter Spandau (18,6) und Neukölln. Dieses schlechte Abschneiden macht sich bei allen risikorelevanten Kriterien bemerkbar. Zum Beispiel Bildung: Mehr als ein Fünftel (22,8 Prozent) der Bevölkerung in Mitte über 25 Jahre verfügte Ende 2014 weder über die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung (Berlin: 15,6 Prozent). Das hat sich natürlich auch in der Erwerbslosenquote niedergeschlagen. War in Berlin jede zehnte Erwerbsperson ohne Arbeit, betrug der Anteil in Mitte 13,9 Prozent und bedeutete in diesem Fall sogar den Berliner Spitzenwert. Ein wichtiger Armutsindikator ist die zur Verfügung stehende Pro-Kopf-Wohnfläche (41,6 Quadratmeter), bedeutet doch die Unterversorgung mit Wohnraum häufig eine Einschränkung des täglichen Lebens und der gesellschaftlichen Teilhabe. Auch hier liegt Mitte mit an der Spitze, denn hier standen 2010 immerhin fast einem Viertel (19,5 Prozent) der Bevölkerung weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Wohnfläche zur Verfügung (Berlin: 11,3 Prozent).

Neukölln

Anhand der Arbeitsmarktzahlen des Jahres 2014 gehört Neukölln neben Mitte zu den Bezirken mit der größten Erwerbslosigkeit. Danach waren insgesamt 13,7 Prozent der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren ohne Arbeit. Weitaus höher ist die Quote bei Migranten (19,7 Prozent), welche eine doppelt so hohe Erwerbslosigkeit aufweisen wie der Bevölkerungsteil deutscher Herkunft (10,0 Prozent). 8,2 Prozent der über 65-Jährigen sind auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen – mit steigender Tendenz. Die soziale Lage im Bezirk ist allerdings sehr unterschiedlich verteilt. Die meisten Probleme gibt es im Norden und der Gropiusstadt, wobei der Süden des Bezirks besser abschneidet. Eine hohe soziale Belastung, die bisher nicht durch Quartiersförderung gestützt wird, sieht der Sozialbericht im nördlichen Schulenburgpark mit Übergang zur Weißen Siedlung sowie in den Planungsräumen Treptower Straße Nord, Glasower Straße und der südlichen Silbersteinstraße.

Schlecht entwickelt

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Ebbe im Portemonaie gibt in Berlin nicht mehr so oft.

Kinderarmut und eine unterdurchschnittliche gesundheitliche Entwicklung sind unter Neuköllner Kindern verbreiteter als in anderen Bezirken. 50,2 Prozent aller unter 15-Jährigen leben in einem Haushalt, der Transferleistungen nach dem SGB II – also Arbeitslosengeld II – bezieht. Fast die Hälfte der Kinder hatte bei der Einschulung Sprachdefizite. Fast doppelt so hoch wie in anderen Bezirken ist in Neukölln die Zahl der frühen Schulabgänger. Dazu zählen junge Menschen von 18 bis unter 25 Jahren, die einen niedrigen Bildungsstand besitzen und in den letzten vier Wochen weder eine Ausbildung noch eine Schule besuchten. Im Jahr 2013 traf das auf 6.000 junge Männer und Frauen und damit auf mehr als ein Fünftel dieser Altersgruppe zu.

Dass neben Arbeitslosigkeit und explodierenden Mieten vor allem schlechte Bildungsabschlüsse das Risiko, in Armut abzudriften oder darin zu verharren, ist unbestritten. In Neukölln lag der Anteil von Menschen (ab 25 Jahre) mit niedrigem Bildungsstand, die also weder die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung vorweisen, zum Zeitpunkt der Erhebung bei 26,7 Prozent. In Pankow betrug er 6,1 Prozent, in ganz Berlin 15,6 Prozent. Im Bildungsbereich sieht Thomas Licher, Fraktionschef der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung, die dringlichsten Aufgaben für Bezirk und Senat. „Im Süden hat sich der Bezirk vielerorts um Verbesserungen bemüht, doch im Norden wurde viel schleifen gelassen“, sagt er. „Der Campus Rütli ist super, doch wir bräuchten fünf oder sechs solcher Modellprojekte in Nord-Neukölln.“ Es brauche mehr Schulen mit gebundenem Ganztagsbetrieb, gerade im Schillerkiez müsse sich etwas tun.

Pankow

Beispiel Bildung: 6,1 Prozent der Bevölkerung in Pankow über 25 Jahre verfügte Ende 2014 weder über die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung (Berlin: 15,6 Prozent). Das hat sich auch in der Erwerbslosenquote niedergeschlagen. War in Berlin jede zehnte Erwerbsperson ohne Arbeit, betrug der Anteil in Pankow nur 5,8 Prozent – Berliner Tiefstwert. Ein wichtiger Armutsindikator ist die zur Verfügung stehende Pro-Kopf-Wohnfläche (41,6 Quadratmeter), bedeutet doch die Unterversorgung mit Wohnraum häufig eine Einschränkung des täglichen Lebens und der gesellschaftlichen Teilhabe. Auch hier bietet Pankow den berlinweiten Tiefstwert, denn hier standen 2010 lediglich 7,7 Prozent der Bevölkerung weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Wohnfläche zur Verfügung (Berlin: 11,3 Prozent).

Reinickendorf

Risikorelevante Armutsfaktoren wirken auch hier. In der Bildung zum Beispiel: Mehr als 19 Prozent der über 25-Jährigen in Reinickendorf besaß Ende 2014 weder die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung (Berlin: 15,6 Prozent). Schlecht für den Job – und das drückte folgerichtig auch auf die Erwerbslosenquote: Wie in Gesamt-Berlin war 2014 auch in Reinickendorf fast jeder zehnte Erwerbsfähige ohne Arbeit. Ein wichtiger Armutsindikator ist der verfügbare Wohnraum, der bei rund 41 Quadratmetern pro Kopf liegt. Nur 8,7 Prozent der Reinickendorfer Bevölkerung (Berlin: 11,3) verfügen über weniger als die Hälfte dieser Fläche – ein guter Wert im Bezirksranking.

Angebote ausbauen. Insgesamt betrachtet liegt Reinickendorf bei den Armutsrisiken im Mittelfeld. Dennoch sieht die Bezirksbeauftragte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Anna Zagidullin, durchaus Probleme, die bei der sozialstrukturellen Planung des Bezirksamtes gemeinsam mit Verbänden und sozialen Trägern stärker berücksichtigt werden müssten.
Dazu gehörten beispielsweise Angebote für gering qualifizierte und alleinerziehende Frauen, die einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind. „Wichtig ist, die bereits bestehenden Beratungsangebote für diese Frauen zu erhalten und auszubauen. Gerade auch aktuell, da geflüchtete Frauen und ihre Kinder besondere Hilfe brauchen.“ Hier können die Stadtteilzentren – wie das Haus am See – einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten.

Spandau

Von diesem Wert ist Spandau weit entfernt. Der Bezirk wird immer ärmer, liegt hinter Neukölln mit 18,6 Prozent an zweiter Stelle auf der Armutsliste. 2010 waren es noch 16,2 Prozent. Ein Senatsbericht zeigt, dass Spandau im letzten Jahr mit Abstand am meisten Geld aus dem Fond für Quartiersmanagements bekommen hat: nämlich fast acht Millionen Euro und damit 29 Prozent der Gesamtausgaben.  Die Menschen können die Mieten in den innerstädtischen Gebieten nicht bezahlen und werden an den Rand gedrängt. Die Kaufkraft ist in der nördlichen Heerstraße, in der Neustadt und im Falkenhagener Feld am niedrigsten, die Quote der Arbeitslosen und der Hartz-IV-Bezieher am höchsten. Das spüren die Mitarbeiter der Quartiersmanagements und auch die Pfarrerin Constanze Kraft von der Evangelischen Zufluchtsgemeinde in der Westerwaldstraße jeden Tag. „Niemand verhungert, aber die Menschen verkümmern, weil sie am Leben nicht teilhaben können. Die armen Kinder von heute sind meistens schon die zweite oder dritte Generation“, sagt Constanze Kraft. Resultat der geerbten Armut sei auch der mangelnde Respekt in den Schulen und untereinander.

Steglitz-Zehlendorf

In der Statistik steht dabei auch Steglitz-Zehlendorf gut da. Mit einer Armutsquote von 7,8 Prozent belegt der Bezirk den zweiten Platz im Hauptstadt-Ranking – und die Quote der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe ist hier mit 9,4 Prozent berlinweit sogar am geringsten. Allerdings belegen die Statistiken auch, dass die Ungleichheit der Einkommen hier mit am Höchsten ist. Dass es trotz glänzender Werte auch in Steglitz-Zehlendorf durchaus Armut gibt, zeigt sich etwa an den Aktivitäten des Kirchenkreises Steglitz: Mit einer sozialen Beratung und einem Familienbüro unterstützt die Evangelische Kirche hier Menschen mit wenig Einkommen. „Darüber hinaus findet in den meisten unserer 14 Kirchengemeinden soziale Arbeit statt, zum Beispiel durch ein Wintercafé für Obdachlose oder die Ausgabestellen „Laib und Seele“, von denen es in den Regionen Lankwitz, Lichterfelde und Steglitz je eine gibt. Sie alle bestehen mehr als zehn Jahre“, berichtet Kirchenkreis-Sprecherin Ulrike Bott.

Tempelhof-Schöneberg

In Tempelhof-Schöneberg gelten laut Sozialreport 12,5 Prozent der Einwohner als armutsgefährdet, der Bezirk befindet sich damit im Berliner Mittelfeld. Ein sozialer Brennpunkt ist das Gebiet zwischen Nollendorfplatz, Kurfürstenstraße, Kleistpark und Bautzener Straße. Hier leben 17.000 Menschen. Der Anteil der Bezieher von sozialen Transfereinkommen lag zuletzt mit 35,3 Prozent „weit über dem Berliner Vergleichswert von 13,97 Prozent“, beschreibt das Quartiersmanagement Schöneberger Norden die Situation. 63,7 Prozent der Einwohner sind Migranten. Viele Jugendliche sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Besonders belastet wird die Nachbarschaft durch Straßenprostitution rund um die Kurfürstenstraße. „Unser Ziel ist es, langfristig die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Menschen im Schöneberger Norden bessere Chancen in der Schule, in der Ausbildung und im Beruf haben“, erklärt Quartiersmanager Peter Pulm. Er kümmert sich um die Realisierung und Finanzierung von Angeboten im Bereich Bildung, Sport, Gesundheit und Gewaltprävention. Kleine örtliche Unternehmen wie Lebensmittelgeschäfte, Kioske, Blumenläden und Familienbetriebe werden durch Beratung unterstützt.

Treptow-Köpenick

In Treptow-Köpenick lag der Anteil der von Armut bedrohten Menschen bei 9,9 Prozent und damit deutlich unter dem Berliner Durchschnitt. Auch bei Bewohnern mit niedrigem Bildungsstand – sie besitzen weder die Hochschulreife noch eine Berufsausbildung – fällt der Bezirk mit 7,9 Prozent positiv auf, nur in Pankow war der Anteil geringer (6,1 Prozent). Das Schlusslicht bildet erneut Neukölln (26,7 Prozent). Der Berliner Durchschnitt beträgt 15,6 Prozent. Die Erwerbslosenquote lag im Bezirk bei 8,5 Prozent und berlinweit bei zehn Prozent. Erneut hat Pankow die Nase vorn (5,8 Prozent), ganz hinten landet Mitte (13,9 Prozent).

Renten sinken

Trotz der positiven statistischen Daten warnt der für Soziales zuständige Bezirksstadtrat Gernot Klemm (Die Linke) vor Euphorie. „Die Zahl der Grundsicherungsempfänger nimmt jedes Jahr um mehrere Hundert zu und wird sich in Zukunft deutlich ausweiten, weil nun die Generation, die nach der Wende ihren Arbeitsplatz verloren hat und häufig nur über Beschäftigungsmaßnahmen tätig war, auch in die Grundsicherung kommen wird“, so Klemm. Aufgrund der Senkung der Rente bundesweit auf 43 Prozent werde prognostiziert, dass in etwa 15 bis 20 Jahren 40 Prozent der Rentner in die Grundsicherung fallen werden. Klemm: „Das Sozialamt hat hier keinerlei Möglichkeiten, dies zu verhindern.“ Einen sehr kleinen Beitrag zur Linderung der Altersarmut unternehme das Sozialamt seit April vergangenen Jahres, in dem für zunächst 25 Grundsicherungsempfänger im Alter das Ehrenamtliche Engagement in den zehn Kiezklubs mit einer Aufwandsentschädigung von 1,80 Euro je Stunde unterstützt wird. Dort können Grundsicherungsempfänger kostenlos an Kursen und Feiern teilnehmen.

Senat zufrieden

Ebbe im Portemonaie gibt in Berlin nicht mehr so oft.

„Berlin braucht“, so Susanne Gerull, „endlich eine ressortübergreifende Strategie für den Kampf gegen Armut.“ Besonders in den Bereichen Bildung und Wohnen müsse der Senat mehr zur Armutsbekämpfung tun. Linke und Grüne sehen das genauso. Sie forderten unter anderem die Anhebung der Regelsätze für die Übernahme der Wohnkosten für Hartz-IV-Empfänger und Unterstützung für jene Bezirke, die Plätze für Wohnungslose anbieten. Der Senat dagegen sieht seine Politik bestätigt. „Die Zahlen für 2014 machen deutlich, dass der Senat mit seinen Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut auf einem guten Weg ist“, erklärte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Für ihn stünde fest, dass die soziale Mischung in der Stadt gewährleistet bleibe.

red /  Bilder: imago/Westend61 / imago/2licht