Gewalt auf dem Stundenplan

Schulen: Bildungsstadtrat sieht Prävention auf einem guten Weg.

Wie gefährlich sind Neuköllner Schulen? Während das Berliner Forum Gewaltprävention für die letzten Jahre von einem Anstieg der Gewaltmeldungen ausgeht, verzeichnet das Bezirksamt einen Abwärtstrend.

Meldungen variieren

Laut dem Berliner Monitoring Jugendgewaltdelinquenz meldeten Neuköllner Schulen im Jahr 2013 330 Vorfälle an den Senat, das waren 36 Prozent mehr als im Vorjahr. 17 Prozent aller Berliner Gewaltmeldungen kamen 2013 aus dem Bezirk. Damit führt Neukölln in diesem Zeitraum die Spitzengruppe der Bezirke an. Dazu zählten auch Lichtenberg (205), Treptow-Köpenick (158) und Marzahn-Hellersdorf (165). Im Bericht des Berliner Forums Gewaltprävention werden der Nord-Neukölln – insbesondere Rixdorf – sowie die Gropiusstadt genannt. Während im Norden ein breites Angebot an Projekten zur Gewaltprävention gebe, sei das an den überdurchschnittlich gewaltbelasteten Schulen in der Gropiusstadt nicht der Fall. Bildungsstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) bezeichnete die Zahlen als wenig aktuell. Seinen Angaben zufolge gingen die Gewaltmeldungen von 391 im Schuljahr 2013/14 auf 348 im darauffolgenden Schuljahr zurück. „Da die Schulen unterschiedliche Meldeverhalten haben und zudem seit 2009 Gewaltvorfälle der Gefährdungsstufe I nicht mehr zwingend melden müssen, kann die reale Anzahl jedoch höher sein“, heißt es in seiner Antwort auf eine Große Anfrage der CDU-Fraktion. Der CDU-Bezirksverordnete Carsten Schulze wollte wissen, ob Neuköllner Grundschulen als Gewaltschwerpunkte zu sehen sind.

Dem Gefährdungsgrad I werden Vorfälle mit niedriger Gefährdung, deren Aufarbeitung in unmittelbarer Verantwortung der Schule liegt, zugeordnet. Es kann sich dabei unter anderem um Beleidigungen, Drohungen, Mobbing, Suchtmittelkonsum sowie die Suizidäußerung und –ankündigung handeln. Im Schuljahr 2015 hätten sich Vorfälle im Bereich des Gefährdungsgrades I an Grundschulen (89) und Integrierten Sekundarschulen (88) gehäuft, so Rämer. Auch Gewalttaten des Gefährdungsgrades II hätten am häufigsten an Grundschulen (85) und Integrierten Sekundarschulen (50) stattgefunden. Es seien lediglich vier Vorfälle der höchsten Gefährdungsstufe und „ohne besondere Tendenz zu einem Schultyp“ gemeldet worden. „Auf Grundlage der für das Schuljahr 2014/15 erhobenen Daten nimmt der Bezirk Neukölln im Vergleich zu den anderen Berliner Bezirken zunächst den vierten Platz ein“, so Rämer. Die meisten Gewaltvorfälle habe es an den Schulen in Mitte (446) und Lichtenberg (419) gegeben, gefolgt von Treptow-Köpenick (349). Für einen aussagekräftigen Vergleich mit den übrigen Berliner Bezirken fehle jedoch eine vergleichbare Datenlage, betonte Rämer. „Insgesamt bemühen sich alle Schulen Neuköllns verstärkt um Projekte und präventive Programme und Maßnahmen.“ Mehrere Neuköllner Grundschulen hätten an dem Präventionsprogramm „Sicher im Kiez“ teilgenommen.

Konsequenzen gefordert

Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) forderte zum Handeln auf: „Hauptursache der Jugendgewalt ist und bleibt die schwache Sozialstruktur in Teilen Neuköllns.“ Neben den vielen guten Präventionsprogrammen der Jugendsozialarbeit müssten insbesondere an Schulen spürbare Konsequenzen her. „Es kann nicht sein, dass ein großer Teil von Tätern und Opfern den Eindruck haben, Gewalt würde keine Konsequenzen haben“, so Liecke. Zusätzlich seien Konzepte zum Umgang mit religiösen und ethnischen Konflikten an Schulen gefragt.

Nils Michaelis / Bild: Thinkstockphotos/iStock/Tomwang112