Zwei Nuancen und ein Signal

Bauen: Am Pankower Tor geht es künftig schrittweise vorwärts.

Manchmal offenbaren Kleinigkeiten die wirklich großen Veränderungen. So ist es auch beim Ergebnis der Steuerrunde zur Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs am Pankower Tor. Möbelhändler Kurt Krieger hatte vor fünfeinhalb Jahren das rund vierzig Hektar große Areal gekauft, um es „im Ganzen“ zu entwickeln, um dort Möbel- und Fachmärkte, Wohnungen und ein großes Einkaufszentrum zu bauen. Nun aber gibt es zwei neue Nuancen. Erstens wurde die Fläche in fünf Teilbereiche untergliedert, deren Planung und Bebauung schrittweise erfolgen soll. Zweitens erscheint der Begriff „Einkaufszentrum“ nicht mehr im jüngsten Konsenspapier.

Shopping-Mall strittig

Kurt Krieger

Kurt Krieger

Lange war über die Verträglichkeit einer zweiten Shopping Mall in Alt-Pankow diskutiert worden. Um dies als Erweiterung des Pankower Zentrums zu „verkaufen“, wanderte das Projekt schließlich vom einst von Krieger favorisierten Standort neben der Prenzlauer Promenade ans westliche Ende, an die Berliner Straße direkt am Bahnhof Pankow. Dort ist nun lediglich von einer „Einzelhandelskonzentration“ die Rede, die das Pankower Zentrum quantitativ und qualitativ aufwerten soll. Wie das genau aussehen soll, dazu sind laut Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (B90/Grüne) „weitere Überlegungen und Analysen“ nötig. Die Fokussierung auf eine weitere 0815-Mall in Berlin scheint für Kirchner damit vom Tisch. Stattdessen starte nun ein Ideenwettbewerb, wie dort neben Einzelhandel- und Dienstleistungsangeboten anderweitig städtisches Leben einziehen könnte. Kirchner kann sich beispielweise ein „technisches Rathaus“ vorstellen, um Verwaltungsbereiche des Bezirks zu verlegen, die heute in maroden Räumen arbeiten. Auch öffentliche Einrichtungen wie Bibliothek, Schwimmbad oder Kino seien denkbar.

Roland Schröder (SPD), Vorsitzender im Pankower Bauausschuss, aber setzt weiterhin darauf, dass am Bahnhof Pankow bis zu 30.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche entstehen, weil das wachsende Pankow einen „unendlichen Nachholbedarf“ an dieser Stelle habe. Der Wegfall des Wortes Einkaufszentrum ist für ihn nur eine „Anpassung und Vereinfachung der Formulierung.“ Ihm sei es letzlich egal, ob die Handelsfläche in einer Mall oder einer anderen Form entstehe. „Wenn dies der grün-bürgerlichen Klientel eine Zustimmung erleichtert, bitte sehr!“, so Schröder.

Beschleunigung erhofft

Die neue, flexiblere Definition der Pankower Zentrumserweiterung nimmt Bedenkenträgern den Wind aus den Segeln und lässt zugleich Spielraum für die Zukunft. Dies ermöglichte das einstimmige Votum im Bezirksparlament und das Signal: das Projekt Pankower Tor ist beschlussreif. Die BVV Pankow erhofft sich eine Beschleunigung beim Bau der dringend benötigten Schulen sowie der jetzt vereinbarten rund 1.000 Wohnungen, von denen ein erheblicher Teil mit günstigen Mieten auf den Markt gebracht werden soll. Vor allem die Erhöhung von bisher 750 auf nunmehr tausend Wohnungen dürfte auch in den Ohren des Senats verlockend klingen. Möglich wurde dies, weil der Fachmarkt nun so platziert ist, dass ein Wohnblock mehr entstehen kann.

Vor allem der Bau einer Grundschule sowie der Sekundarschule hat Vorrang. Für letztere soll der denkmalgeschütze Lokschuppen jenseits der Prenzlauer Promenade genutzt werden. Für das Wohnquartier startet bald ein städtebaulicher Wettbewerb. Ergebnisse gibt es im Sommer. Frühestens 2018 wird der Baustart erwartet. Erst am Ende der schrittweisen Erschließung des Areals dürfte die beabsichtigte Erweiterung des Pankower Zentrums an der Reihe sein. Dies soll sich einmal vom Rathauscenter über Breite und Berliner Straße bis zum neuen Wohnquartier Pankower Tor erstrecken. Dann wird auch die Neugestaltung der Haltestellensituation südlich der Bahnbrücke aktuell. Im Gespräch ist eine zweite Bus- und Bahn-Haltestelle in nördlicher Richtung. Überhaupt sind die Verkehrskonzepte rund ums Pankower Tor jetzt auf dem Prüfstand. Hauptthema: Die Granitzstraße muss befahrbar bleiben.

Michael Hielscher / Bild: KGG/bearbeitet von MDS Creative / Jürgen Zweigert