Als in Spandau noch die Slawen lebten

Kultur: Eine Ausstellung entschlüsselt die frühe Geschichte von Berlin und Brandenburg.

Für den Spandauer Geschichtsverein wird 2016 ein wichtiges Jahr. Seit fast einem Jahr plant und recherchiert die Heimatkundliche Vereinigung mit dem Museum der Stadt Zerbst in Sachsen-Anhalt die Ausstellung „Germania Slavica“, die vom 26. Mai bis 14. Juli im Rathaus Spandau gezeigt werden soll. Die Ausstellung verdeutlicht die slawische Geschichte Berlins und Brandenburgs. Um die deutsch-polnische Kulturgeschichte geht es in einer Ausstellung im Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, die der Geschichtsverein gemeinsam mit dem Historischen Museum Elk in Polen vom 28. Mai bis 28. Oktober organisiert. Die Schirmherrschaft hat der brandenburgische Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke übernommen.

Vorurteile entkräftet

„Grundlage der Ausstellung Germania Slavica sind Ergebnisse einer Forschungsgruppe an der Freien Universität Berlin. Durch die kuratorische Unterstützung durch Professor Felix Fischer werden neue Aspekte und Fragestellungen an die frühe Berliner Geschichte gestellt“, erklärt Karl-Heinz Bannasch, erster Vorsitzender des Geschichtsvereins. Noch vor der germanischen Besiedlung ab dem zehnten Jahrhundert lebten und wirkten bei uns slawische Stämme wie die Heveller, Liutizen oder Spreewanen – eine oft vergessene Kulturgeschichte. Auch Spandau und Köpenick waren einst wichtige slawische Siedlungen. „Oft wird die Kulturstufe der Slawen in der Geschichtsschreibung als niedrig belächelt“, sagt Karl-Heinz Bannasch. „Das ist nicht richtig. Es gibt keinen Unterschied zu den Germanen, sie haben sich gegenseitig eher befruchtet.“ Archäologische Funde beweisen, dass deutsch- und slawischsprachige Menschen über Jahrhunderte in verschiedenen Kulturen neben- und miteinander in unserer Gegend lebten. Außerdem sollen die Ausstellungen aufräumen mit den Vorurteilen und Stereotypen unserer Wahrnehmung von der slawischen Geschichte Mitteleuropas. Karl-Heinz Bannasch erläutert, wie es dazu kam: „Im Zuge von Nationalisierungen und Idealisierungen wurden teilweise nationalistische Geschichtsschreibungen und -deutungen über das vermeintlich unkultivierte, militärische, barbarische Gegenüber gepflegt.“

Selbst finanziert

Die Ausstellungen werden begleitet von Vorträgen, Konzerten, Fotoausstellungen, Sonderführungen und einem museumspädagogischem Programm. Im Mai erscheint außerdem ein zweisprachiges Buch dazu im Rombach Verlag. Öffentlich bezuschusst wird das Vorhaben übrigens nicht, die Kosten werden vom Spandauer Geschichtsverein übernommen, die Arbeit ist ehrenamtlich.

Anke Walter / Bild: Heimatkundliche Vereinigung Spandau 1954 e. V.