Abschied von der Grusel-Station

Nahverkehr: Die Station Schönleinstraße soll ab 2017 umfangreich saniert werden.

Graffiti an den Wänden, geplatzte Keramikfliesen, überall Schmuddelecken: Der U-Bahnhof Schönleinstraße auf der Strecke der Linie 8, zwischen Kottbusser Tor und Hermannstraße, bietet einen traurigen Anblick. Einen Fahrstuhl gibt es nicht, sodass der Bahnhof für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist. Dieser Zustand soll sich aber bald ändern. Im nächsten Jahr plant die BVG umfangreiche Sanierungsarbeiten und auf die Fahrgäste der U 8 kommt nach der monatelangen Sperrung des Neuköllner Südabschnitts die nächste Großbaustelle zu.

Auswirkungen unklar

CR_LVS_Titel_FR_14_S3„Der U-Bahnhof Schönleinstraße soll barrierefrei umgebaut werden. Außerdem ist eine Grundinstandsetzung und eine Tunnelsanierung geplant“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Ob die U-Bahn während der Bauarbeiten weiter durch den Bahnhof fahren kann ist noch nicht geklärt, auch die Auswirkungen auf den Straßenverkehr sind bisher nicht absehbar. Eine Komplettsperrung würde jedenfalls erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste bedeuten.

Zuletzt war auf der Linie 8 der 1929 eröffnete U-Bahnhof Leinestraße saniert worden. Die Bauarbeiten waren umfänglicher als zuerst angenommen. Laut Berliner Zeitung lag das an einer schlechten Betonqualität. Dies bescheinigt Uwe Kutscher, der bei der BVG die Bauabteilung der U-Bahn leitet, auch dem Bahnhof Schönleinstraße: „Die Ergebnisse der ersten Materialuntersuchungen lassen uns nicht gerade jubeln“, sagt er. So wie es derzeit aussehe, sei wohl eine Komplettsanierung erforderlich. Gebaut werden soll von Ende 2017 bis Ende 2019. „Konkrete Abläufe stehen aber noch nicht fest. Kosten und Umfang ergeben sich erst nach einer Ausschreibung“, so Petra Reetz.

Ob durch eine Sanierung des Bahnhofs Schönleinstraße auch der Drogenhandel eingeschränkt wird, bezweifelt Ralf Köhnlein von Fixpunkt. „Sollten die Drogenabhängigen durch die Bauarbeiten vertrieben werden, wandern sie eben zum nächsten Bahnhof. Das ist nur eine Verschiebung des Problems.“ Wichtig wäre es, Räume für die Konsumenten zu schaffen, wie beispielsweise der Drogenkonsumraum in der Reichenberger Straße 131 oder das Gesundheitsmobil am Kottbusser Tor.

Der U-Bahnhof Schönleinstraße wurde am 17. Juli 1927 eröffnet. Die namensgebende Straße ist nach Johann Lukas Schönlein benannt, dem Leibarzt von König Friedrich Wilhelm IV. Von 1951 bis 1992 hieß der Bahnhof Kottbusser Damm. In der Tatort-Folge „Gegen den Kopf“ diente die Station als Schauplatz für den tödlichen Übergriff zweier Jugendlicher auf einen Passanten.

Anne-Lydia Mühle / Bild: imago/Jürgen Hanel / Bild:  Anne-Lydia Mühle