Berlins teuerste Garderobe

Richtfest: James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel eröffnet erst 2018.

Dank der Bundesbauministerin fiel wenigstens ein kleiner Schatten auf diesen Tag. Als sich politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prominenz versammelte, um das Richtfest für die James-Simon-Galerie zu feiern, da sorgte sie für ein wenig Ernüchterung. „Mich bestärkt dieses Beispiel in meiner festen Überzeugung“, so Barbara Hendricks, „dass wir bei Bauten des Bundes besser und verlässlicher werden müssen.“ Ein schöne Erkenntnis, die sich auch die Bauherren der Staatsoper und des Flughafens BER hinter die Ohren schreiben durften. Immerhin reiht sich der neue Eingangsbereich der Museumsinsel zwanglos in genannten Bausünden ein. Mit 135 Millionen Euro Baukosten inzwischen fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant, verzögert sich auch die Eröffnung um schlappe fünf Jahre bis ins Jahr 2018 hinein. Weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen werde es nicht mehr geben, versprach Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und damit Bauauftraggeber für die teuerste Garderobe Berlins. Das von Chipperfield Architects gezeichnete Gebäude soll den Zugang zu den fünf Häusern der Museumsinsel regeln. Über der Erde führen Kolonnaden zum Neuen Museum und zur Alten Nationalgalerie. Unter der Erde geht es eine „Archäologische Promenade“ entlang bis zum Bode Museum an der Spitze der Insel. Der Bau mit dem mächtigen Sockel und seinen hohen Pfeilern „ist eine Weiterentwicklung der Museumsinsel ins 21. Jahrhundert“, freute sich Parzinger. Er machte darauf aufmerksam, dass an dieser Stelle schon vor dem zweiten Weltkrieg ein Gebäude für Verwaltung und Gastronomie geplant gewesen sei. „Wir brauchen eine zentrale Besucherführung. Wir brauchen Bereiche für Aufenthaltsqualität. Das heißt: Cafés, Gastronomie, wir brauchen Museumsshops“, erklärte Parzinger gegenüber dem RBB.

Öffentlicher Ort

Architekt David Chipperfield ordnete das neue Eingangsgebäude auch in seiner Bedeutung für die Stadt Berlin ein: „Die James-Simon-Galerie ist nicht nur ein Gebäude, sondern auch ein öffentlicher Ort in der Stadt. Neben ihrer Rolle, das museologische Programm zu ergänzen, organisiert sie die stadträumlichen Beziehungen und die Zugänglichkeit der Museumsinsel neu. Es ist ein Haus, das nicht so sehr von seiner Funktion geprägt ist, als vielmehr von seiner Verantwortung als öffentliches Gebäude im Zentrum der Stadt.“

Manfred Wolf