Endstation Ostbahnhof

Verkehr: Bereits 2017 könnte die Strecke der S75 deutlich gekürzt werden.

Für die Berliner in Lichtenberg und Hohenschönhausen, die täglich mit der S75 Richtung Westen fahren, könnte schon bald am Ostbahnhof Endstation sein. In der zweiten Hälfte des nächsten Jahres sollen die Linien S3 und S9 an die Stadtbahn angebunden werden – auf Kosten der S75, deren Züge bisher von Wartenberg kommend bis zum Westkreuz fahren. Bezirkspolitiker fürchten eine Abkoppelung der Region und kritisieren die Streckenkürzung.

EIne Abwägung

CR_LVS_Ho_24_SBahn75Während die Anbindung der S9 an den Stadtverkehr lediglich den Zustand wiederherstellt, der von Baumaßnahmen am Ostkreuz unterbrochen worden war, hat die Aufwertung der S3 etwas mit veränderten Prioritäten der S-Bahn zu tun. „Das ist eine Entscheidung, die bereits vor dem Umbau des Ostkreuzes im Jahr 2006 getroffen wurde. Der Linientausch zwischen S3 und S75 ist aufgrund der erheblich größeren Nachfrage entlang der Strecke nach Erkner gerechtfertigt. Mit der S75 fahren im Vergleich zur S3 wesentlich weniger Menschen“, erklärt Stadtentwicklungs- und Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD). Hinzu komme, dass Hohenschönhausen weiterhin alternativ mit der Straßenbahnlinie M4 eine direkte Anbindung zum Alexanderplatz habe.

Die Kritik

Politiker anderer Parteien sehen das Vorhaben dennoch kritisch. „Die geplante Linienverkürzung der S75 empfinden die Hohenschönhausener als einschneidenden Rückschritt für ihre Region. Sie würden sich damit buchstäblich vom pulsierenden Innenstadtleben abgehängt fühlen“, sagt Martin Pätzold (CDU), Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Lichtenberg. Gemeinsam mit seinem Parteifreund Danny Freymark aus Hohenschönhausen, der im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, hat er einen Brief an S-Bahn-Chef Peter Buchner geschrieben, in dem sie die Rücknahme der Streckenkürzung fordern. Im Bezirk ist allerdings nicht jeder vom Einsatz der CDU-Politiker begeistert. Als „Show“ hatte der Lichtenberger Bezirksverordnete Christian Petermann (Die Linke) die entsprechende Ankündigung Pätzolds im Internet bezeichnet und meint: „Sollte die S75 tatsächlich verkürzt werden, ist das vor allem ein Ergebnis der gescheiterten Vergabepolitik des SPD-CDU Senats. Dieser hat die Ausschreibung in den Sand gesetzt und darf sich jetzt nicht darüber empören, wenn die S-Bahn mit ihrem zu kleinen Wagenpark Linien verkürzen will.“

Der Senator

Den Positionen beider Lichtenberger Politiker widerspricht Senator Geisel: „Dass die S3 jetzt durchgebunden und die S75 gekürzt wird, hat schier gar nichts mit der Vergabepolitik des Senats und auch nicht mit Lücken im Wagenpark der S-Bahn zu tun. Und dass es die Entscheidung zur Kürzung der S75 bereits seit zehn Jahren gibt, hätte sich Martin Pätzold bei den Verkehrsexperten seiner eigenen Partei erfragen können“, so der Senator auf Anfrage des Berliner Abendblattes.

Philip Aubreville/Stefan Bartylla / Bilder: Stefan Bartylla