Ein Walzer mit viel Sommerlaune

Ein historischer Liedertext hat endlich eine Melodie zurück bekommen.

Dieses Fest „malte“ das schönste Fleckchen in Alt-Hohenschönhausen ins allerschönste Sommerlicht: Bestes Strandwetter und ein tolles Programm gab es für die rund 1.500 Gäste, die am vergangenen Wochenende die elfte Ausgabe des Seefestes am Orankebad mitfeierten. Eine historische Stunde schlug schließlich am späten Nachmittag direkt auf der großen Bühne der sommerlichen Strandparty.

Lange erwartet

Viele Jahrzehnte lang gab es nur noch den Text eines Walzers, den der Gastwirt und Musiker Heinrich von Heiden bereits in den zwanziger Jahren für Festivitäten in seinem Wirtshaus am Orankesee komponiert hatte. Die wunderbaren Verse um eine Romanze eines lauschigen Sommertages am See blieb über all die Jahre erhalten – allein die Melodie verschwand aus den Erinnerungen und auch die Noten des musikalischen Kleinods blieben seit den späten fünfziger Jahren verschollen. Extra zum diesjährigen Fest hatte der Förderverein des Ober- und Orankesee e. V. zum Wettbewerb aufgerufen, um den zarten Versen wieder zu neuen Klängen zu verhelfen. Aus zehn eingereichten Melodien ging die Weise im Dreivierteltakt von Tontechniker Matthias Lunow (39) nun als Sieger hervor. Die musikalische Premiere geriet zum romantischsten Moment des Nachmittages – schnell fanden sich Pärchen, um am Sommerstrand unterhalb der Bühne im Takt der Walzermelodie den launigen Schwof zu wagen.

Der Sieger

Der Gewinnerkomponist des Wettbewerbs ist im Hauptberuf Tonmeister am Deutschen Theater, lebt mit Frau und Tochter in Prenzlauer Berg und kennt das Viertel an den beiden Seen sehr gut. „Ich war schon oft mit meiner Familie hier im Strandbad zum Baden. Mein Schwiegervater, der Mitglied im Förderverein ist, wohnt hier in der Nähe und hat mir den Tipp mit dem Wettbewerb gegeben“, so Lunow, der die Herausforderung der Komposition darin sieht, das Lied gemäß der zwanziger Jahre zu gestalten ohne es verstaubt wirken zu lassen. Eingespielt hatte Lunow den Walzer mit Keyboard und Akkordeon. Auch den Gesang mit Heinrich von Heidens Versen setzte er selber um. „Die ideale Besetzung für die Aufführung wäre aber ein kleines Kammerorchester mit je einem Holzbläser, Cello, Geige, Klavier und Kontrabass“, meint Lunow. Für Jury-Mitglied Alexander Smirnov stand schließlich von Beginn an der jetzige Sieger des Wettbewerbes fest. „Von Beginn an war mir klar, dass diese einfache Art des Gesangs und die eingängige Melodie genau die passende Begleitung zum vorliegenden Text sein konnte“, so der Berufsmusiker, der alle eingereichten Melodien selbst auf dem Piano ausprobiert hatte.

Text+Bild: Stefan Bartylla