Ein Chauffeur für den Bezirks-Chef

Arbeit: Bezirksamt sucht neuen Fahrer für Bürgermeister.

Die Eröffnung der Ausstellung ist gerade abgeschlossen, jetzt aber mit Vollgas zur Ausschusssitzung – und zwischendurch noch Dokumente an den Senat ausliefern. So, oder so ähnlich kann man sich den Alltag als Fahrer des Bezirksbürgermeisters vorstellen, liest man eine aktuelle Stellenanzeige aus dem Bezirksamt.

Fahrer- und Motorwechsel

Gesucht wird ein/e „PKW-Fahrer/in für den/die Bezirksbürgermeister/in“, die ab dem ersten Januar den nächsten Bezirkschef (oder die Chefin) und ihr Schriftgut durch Berlin transportieren soll. Nachdem Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) seinen geleasten BMW 520d-Dienstwagen im vergangenen Jahr bereits testweise gegen ein Elektroauto eintauschte und der nächste Leasingvertrag für ein Elektroauto abgeschlossen werden soll, findet künftig nicht nur unter Motorhaube, sondern auch auf dem Fahrsitz ein Wechsel statt.

Ortskenntnisse auch ohne Navi

Wie der Job als Chauffeur genau aussieht, mag man beim Bezirksamt nicht beantworten. „Keine Zeit, Koalitionsverhandlungen“, heißt es. Doch auch so lässt sich aus der offiziellen Stellenanzeige einiges ablesen.

Dass das Bezirksamt einen Führerschein und die Kenntnis der Verkehrsgesetze erwartet, überrascht dabei ebenso wenig wie die Erwartung einer mehrjährigen Berufserfahrung beim Führen von Kraftfahrzeugen im großstädtischen Straßenverkehr erwartet. In Berlin sollte sich der Fahrer, der bei Bedarf auch die Stadträte durch die Kieze kutschiert, ebenfalls gut Auskennen.

Gender-Mainstream

Ungewöhnlicher ist dagegen, dass „Kenntnisse über den Gender-Mainstreaming-Ansatz und Kenntnisse über das Anliegen der interkulturellen Öffnung der Verwaltung“ erwünscht sind. Im Zweifel hat der künftige Chauffeur schon von derartigen Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen profitiert, wenn er erstmals in den Dienstwagen steigt: Das Bezirksamt bekennt sich zur gesetzlichen Frauenquote und fordert insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund ausdrücklich auf, sich zu bewerben. Auch andere typische Jobanzeigen-Schlagworte werden vom Bezirksamt mit Leben gefüllt. Die oft geforderte „Flexibilität“ zeigt sich hier etwa ganz konkret. „Unregelmäßige Dienste sowie Sonn- und Feiertagsarbeit“ kündigt die Stellenanzeige an. Doch auch wenn die „Unterhaltung und Pflege des übertragenen Fahrzeuges“ zu den Aufgaben gehört – am Wochenende mit dem Gartenschlauch den Dienstwagen abzuspülen dürfte damit nicht gemeint sein.

Konfliktfähigkeit erwünscht

Damit auch sonst keine Missverständnisse entstehen, verlangt das Bezirksamt vom Fahrer dann auch „Kommunikationsfähigkeit“. Die könnte generell nötig werden, denn „Konfliktfähigkeit ist wichtig“, heißt es in der Ausschreibung. Rückschlüsse über den Charakter des Chauffierten dürfen daraus aber nicht gezogen werden – wer künftig den neuen Fahrer nutzen darf, entscheidet sich wohl erst Ende Oktober.

Philip Aubreville, Bild: Getty Images/iStockphoto