Ein Register gegen rechts

Jetzt werden auch in Steglitz-Zehlendorf diskriminierende und fremdenfeindliche Vorfälle im Bezirk dokumentiert.

Als letzter Berliner Bezirk hat nun auch Steglitz-Zehlendorf ein „Berliner Register“, in dem rechtsextreme Vorfälle in den Kiezen dokumentiert werden. Dabei ist diese Dokumentationsstelle längst fällig, denn hier gibt es die meisten Vorkommnisse im Berliner Westen. Allerdings warnt das Register selbst vor vorschnellen Rückschlüssen und hofft auch im Bezirk künftig auf eine umfassende Analyse.

Register zählt 190 Vorkommnisse

Einem türkischen Mitbürger wird in Lichterfelde ein Fahrradschloss ins Gesicht geschlagen, eine Frau in Wannsee in der S-Bahn mit einem Messer bedroht und rassistisch bepöbelt, in Steglitz findet eine Hausdurchsuchung wegen sogenannter „Hass-Postings“ statt. In der Polizeistatistik kommt der Bezirk mit 39 fremdenfeindlichen Vorfällen noch ganz gut weg, rangiert berlinweit an vorletzter Stelle. Das Berliner Register präsentiert dagegen ganz andere Zahlen. 190 Vorkommnisse mit fremden- oder frauenfeindlichem, antisemitischem oder homophobem Hintergrund wurden allein in diesem Jahr in Steglitz-Zehlendorf dokumentiert. Das Register notiert allerdings auch strafrechtlich irrelevante, aber dennoch diskriminierende Handlungen wie etwa das Kleben von rechtsextremen Propagandaaufklebern. „Die Zahl der Vorfälle ist auf keinen Fall gleichzusetzen mit der Zahl an körperlichen Angriffen. Leider wird der Rückschluss häufig gezogen und es ist unsere Aufgabe darauf hinzuweisen, dass es sich in den wenigsten Fällen um Angriffe handelt. Nur so macht eine Analyse Sinn“, erklärt Kati Becker vom Berliner Register.

Denn um diese Analyse geht es der Registerstelle in erster Linie. „Dass es in Steglitz-Zehlendorf so viele Vorfälle gibt, hängt damit zusammen, dass dort Akteure aus dem rechtsextremen und -populistischen Spektrum wohnen und, dass diese Menschen vermehrt Aufmerksamkeit für ihre Ideologien in der Öffentlichkeit suchen“, meint Becker. Eine genaue Analyse wird aber erst zum Ende des Jahres erfolgen. Dann soll zum Beispiel geklärt werden, ob hochmotivierte Einzelpersonen oder ganze Strukturen am Werk sind – oder ob die Nachbarschaft im Südwesten mit offeneren Augen durchs Leben geht als in anderen Bezirken. „Vielleicht sieht die Situation in Spandau ähnlich aus, nur wird sie von den Menschen dort anders wahrgenommen“, sagt Becker und ergänzt: „Selbst ich war aber überrascht, so viele Vorfälle aus einem Bezirk wie Steglitz-Zehlendorf zu bekommen, der bislang eher nicht mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wurde.“

Philip Aubreville, Bild: imago/Christian Mang