Selbstverwaltet oder kommunal

Denkmalschutz: Noch immer kann das Schoeler-Schlösschen nicht genutzt werden.

Nun kam auch die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vorbei. Eingeladen von Dagmar König (CDU), der Charlottenburg-Wilmersdorfer Stadträtin für Kultur und Hochbau, besuchte sie gemeinsam mit dem CDU-Abgeordneten Stefan Evers das Schoeler-Schlösschen. Es geht ums noch nötige Geld für den Innenausbau des barocken Landhauses in der stillen Wilhelmsaue. Das ehemalige Schloss Wilmersdorf, ältestes noch erhaltenes Gebäude im Ortsteil Wilmersdorf, steht seit 2011 leer. Bis dahin hatte die Stiftung Denkmalschutz das seit 1958 denkmalgeschützte Gebäude noch außen sanieren lassen. Die veranschlagten restlichen 500.000 Euro für den Innenausbau sollten über Werbemaßnahmen am Gebäude erwirtschaftet werden, was wiederum durch Land und Bezirk abgelehnt wurde.

Vollförderung unmöglich

Auf Fragen nach einer Finanzierung aus Bundesmitteln wies Monika Grütters auf die Denkmalschutzprogramme des Bundes hin, aus denen eine Förderung beantragt werden könne. Grundsätzlich darf jeder, ob privat, Land, Stiftung oder andere, den Antrag stellen. In Hinblick auf die Trägerschaft sei sie grundsätzlich offen. Eine Vollförderung durch den Bund sei nicht möglich. Dies ist nicht die erste Bitte um Unterstützung durch die Stadträtin. Schon 2013 ging ein Antrag über drei Millionen Euro für die denkmalgerechte bauliche Herrichtung bei der Lotto-Stiftung ein. Diese wurde nach mehrmaligen Rückstellungen wegen Nachfragen durch den Stiftungsrat 2015 abgelehnt. Über das Warum gibt es keine Mitteilung, denn nach Worten von Dr. Marion Bleß, dem Vorstand der Lotto-Stiftung, „begründet der Stiftungsrat grundsätzlich keine Ablehnung“. Zudem sei ein nochmaliger Antrag „nur in großen Ausnahmefällen möglich.“ Verlautbarungen über mehrmalige Anträge würden nicht den Tatsachen entsprechen. Wie der Anwohner Michael Roeder auf der Webseite der Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen darlegt, geht das Bezirksamt von einer sechsfach höheren Summe aus als die Denkmalstiftung. Zudem streiten sich Stadträtin und Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen über das künftige Konzept. Dagmar König möchte ein kommunales Gebäude in eigener Regie als Anlaufstelle für alte und demenzkranke Menschen mit behindertengerechtem Trausaal. Die Bürgerinitiative sieht dafür keinen Bedarf. Das benachbarte Werner-Boeckelmann-Haus und die Auenkirche würden diese Bedürfnisse abdecken. Die seit Juni 2015 bestehende Bürgerinitiative kämpft stattdessen für ein selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum mit Pachtvertrag. Sie möchte einen frei zugänglichen Bürgertreff mit kulturellem Angebot, auch für gesellschaftlich engagierte Gruppen. In der Vergangenheit hatten sie, laut Rainer Wittek, dem Sprecher der Bürgerinitiative, auch Monika Grütters um Unterstützung gebeten. Sie erhielten „eine abschlägige Antwort“.

Autor und Bild: Christina Praus