Marlene Dietrichs erste Schritte

Filmgeschichte: Dauerausstellung entsteht im Foyer des Bezirksamtes Weißensee.

„Herrrrreinspaziert!“ Die fünf „R“ kräftig mit der Zungenspitze rollend, so warben stimmgewaltige Kinobesitzer in den Pionierzeiten des Films um ihr zahlendes Publikum. Aus Anlass der Gründung der „Filmstadt Weißensee“ vor 100 Jahren luden Bezirksamt und Museum Pankow sowie das Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik im Sommer 2013 zu einer gleichnamigen Ausstellung ein – unterstützt durch die Deutsche Kinemathek und die Atelierhaus GmbH.

Gut angekommen

cr_lvs_we_filmaustellung2Installiert im sogenannten „Kultur:wagen“ – und in doppeldeutiger Schreibweise – war die Ausstellung gut drei Monate an verschiedenen Punkten im Bezirk zu sehen, ehe sie mit Finissage, Buchvorstellung sowie der Filmvorführung „Das Wachsfigurenkabinett“ im ehemaligen Stummfilmkino Delphi in Weißensee ihr Ende fand. Die Schau kam so gut an, dass Lokalpolitiker sie erhalten wollen. In ihrer letzten Sitzung vor der Wahl im September ebneten die Bezirksverordneten dazu den Weg. Das Bezirksamt wurde beauftragt, die Ausstellung „Filmstadt Weißensee“ dauerhaft im großzügigen Foyer des ehemaligen Rathauses Weißensee einzurichten. Der gewählte Ausstellungsort im Rathaus Weißensee liegt in unmittelbarer Nähe zu dem ehemaligen Atelier und Produktionsgebäude in der Liebermannstraße. Für Interessierte bieten die Ausstellungsinhalte einen Überblick zur Geschichte der „Filmstadt Weißensee“, den Produktionsbedingungen in Weißensee und den dort entstandenen Werken. „Zurzeit werden die Kosten für die Wiederaufnahme der Ausstellung recherchiert“, sagt Stadtrat Dr. Torsten Kühne (CDU). Zu Buche schlagen beispielsweise neue Aufstellsysteme für die vorhandenen Tafeln sowie Bild- und Filmrechte im Rahmen einer Dauerausstellung. „Die Ausstellung soll möglichst viele Besucher erreichen und daran erinnern, dass auch eine Marlene Dietrich ihre ersten Schritte in Weißensee ging“, so Kühne. Einen Eröffnungstermin kann er noch nicht nennen, sagt nur: „2016 wird knapp!“

Quellen aufgearbeitet

Noch vor einiger Zeit hatte es der Bezirk Pankow übrigens abgelehnt, die Bedeutung der ehemaligen Filmproduktionsstätten in Weißensee für die Geschichte des Films aufzuarbeiten, indem ein Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte an historischer Stätte ausgelobt wird. Die Kommission für Kunst im öffentlichen Raum Pankow stellte 2011 fest, dass es bereits zahlreiche Würdigungen gibt. Dazu zählen der Caligariplatz an der Weißenseeer Spitze, die Gedenktafel vor Ort, der Katalog zur Ausstellung „Filmstadt Weißensee“ des Museums Pankow sowie das Wegeleitsystem. Die historischen Quellen seien „ausgiebig aufgearbeitet“, hieß es damals.

Michael Hielscher, Bilder: Museum Pankow/Deutsche Kinemathek, Berlin