Scheinbar schwerelos

Akrobatisch: Premiere für die Festspiele der Luftartistik.

Es sei nun wirklich Zeit, dass Zeitgenössische Kunst endlich Einzug in Deutschland hält, findet Jana Korb. Sie ist Luftartistin. Sie hat Leidenschaft für das Metier. Sie ist Frontfrau des „Vereins zur Überwindung der Schwerkraft“ (VUESCH). Und sie hat zusammen mit ihrem Kollegen Daniel Megnet die Luftartistik-Festspiele für Berlin ins Leben gerufen. Vom 24. bis 30. Oktober geht es in der Hauptstadt hoch hinaus. Namhafte Künstler aus der ganzen Welt haben ihr Kommen zugesagt. Bei einer Eröffnungs-Gala im Wintergarten Varieté (24. Oktober, 20 Uhr) an der Potsdamer Straße 96 zeigen sie ihr Können in kurzen, prägnanten Shows – moderiert von Arnulf Rating vom Maulhelden Büro. Das Berliner Abendblatt verlost 3×2 Freikarten für das Spektakel.

Große Barrieren

„Wir versuchen seit Jahren, sichtbar zu machen, dass zeitgenössische Kunst ernstzunehmen ist“, sagt Jana Korb. In Frankreich werde die deutsche Szene nur belächelt. Im Bereich Jonglage, Akrobatik und Tanz sei das Land schon weiter. „Da bewegt sich was. Es gibt mittlerweile Jams, auf denen jongliert wird. Das haben wir uns für die Luftartistik auch gewünscht“, erzählt Jana Korb von der Idee, ein Festival auf die Beine zu stellen. Vergangenes Jahr im Dezember haben die Planungen erst begonnen. „Die komplette Szene hat ‚Ja!‘ geschrien.“ Zum Beispiel Ilona Jäntti aus Finnland. Sie ist eine innovative Künstlerin des Zeitgenössischen Zirkus und wird im Wintergarten Auszüge aus ihrer neuen Produktion zeigen, die eigentlich erst im Januar Premiere haben wird. Sie arbeitet an hängendem Maschendraht und erforscht, welche Spuren der Draht auf ihrem Körper hinterlässt beziehungsweise welche Spuren ihr Körper auf dem Draht. Mit der Eröffnungs-Gala im Wintergarten haben die Organisatoren eine geeignete Location gefunden. Die Abschluss-Gala findet in Frankfurt/Oder statt. „Leider haben wir während der Festspiele nur zwei Gala-Abende“, bedauert Jana Korb. In ganz Berlin habe es kein einziges Theater gegeben, das ein Gastspiel der Luftartisten zugelassen hätte. „Manche haben sich nicht mal die Vorschläge angeschaut, da existiert noch immer eine große Barriere in den Köpfen“, sagt die Trapezkünstlerin, und weiter: „Es ist krass. Die Künstler bespielen überall die großen Bühnen der Welt, in Polen, den USA, Frankreich und so weiter. Nur nicht in Deutschland.“ Dabei habe Berlin viele Bühnen, die sich für Luftartistik eignen. Sie brauchen eine Höhe von sechs bis sieben Metern, mehr nicht. Trotz aller Hürden, Jana Korb und Daniel Megnet freuen sich ungemein auf die Festspiele und wollen eine Plattform für Luftartisten in Deutschland bieten. „Hier sollen Künstler sich vernetzen“, sagt Jana Korb. In Workshops, Trainings, Fachvorträgen und Diskussionen können Fortgeschrittene und Profis sich während der Festspiele weiterbilden. Die Veranstaltungen finden in der Staatlichen Schule für Artistik Berlin statt, die dem VUESCH als Kooperationspartner zur Seite steht.

Mal ausprobieren

Wer Lust bekommen hat und sich in Sachen Luftartistik einmal ausprobieren könnte, hat beim VUESCH die Möglichkeit. „Wir bieten Kurse für Menschen, die sich fit halten wollen oder Luftartistik als Hobby betreiben“, sagt Jana Korb. Trainiert wird auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.

Gewinnspiel

Wer Freikarten für die Eröffnungs-Gala der Luftartistik-Festspiele gewinnen möchte, schickt bis zum 18. Oktober eine E-Mail mit dem Stichwort „Luftartistik“ sowie Kontaktdaten und Telefonnummer an “gewinnen@mdscreative.com”.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Sara Klinke, Bild: Christian Schlicht