Niedrigzinsen – wo gibt es noch etwas zu holen?

Den Weltspartag, der sich 2016 zum 91. Mal jährt, kennen höchstens noch die älteren Generationen. Er wurde 1925 eingeführt und erlebte in den 1970er Jahren seine besten Zeiten. Obwohl er an Bekanntheit verloren hat, ist das Sparen weiterhin weit verbreitet unter den Deutschen, wobei die populärsten Anlageformen Tagesgeldkonto und Sparbücher sind.

Doch bei den derzeitigen Niedrigzinsen erhalten Sparer nicht nur null Prozent, sondern ihr Vermögen verliert gleichzeitig an Wert. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen begründete dies wie folgt: „Die Inflationsrate liegt heute höher als die durchschnittlichen Sparzinsen. Mit der Folge, dass Anleger reale Verluste machen.“

Im September stieg die Inflationsrate auf 0,7 Prozent und erstmals seit langem sind auch die Zinsen für Festgeld gestiegen. Zwar sind es erst einige Banken, die ihre Festgeldzinsen geringfügig angehoben haben, aber es ist ein gutes Zeichen. Trotzdem bekommen Sparer, die eine Summe von 10.000 Euro für 12 Monate fest in Deutschland anlegen, beim besten Anbieter mit 1,1 Prozent Zinsen gerade einmal 110 Euro. Das schlägt zwar zumindest die Inflationsrate, aber wer da etwas mehr erwartet, muss auf ausländische Banken zurückgreifen.

Festgeld im Ausland anlegen

Denn für Sparer, die mit der in Deutschland angebotenen Vergütung nicht zufrieden sind, gibt es auch die Möglichkeit, ihr Geld auf Festgeldkonten im Ausland anzulegen. Oft sind hier die Zinsen erheblich höher als auf deutschen Festgeldkonten. Die Eröffnung eines Festgeldkontos im Europäischen Ausland funktioniert inzwischen genauso einfach, wie die Eröffnung eines Direktbankkontos in Deutschland. Dies ist dank moderner Online-Plattformen möglich, über die man die Eröffnung und Verwaltung der Festgeldkonten im Ausland abwickeln kann. Besonders risikobereit muss man dafür gar nicht sein, denn die Partnerbanken werden sorgfältig ausgewählt und unterliegen der Einlagensicherung gemäß EU-Richtlinien. Demnach sind die Einlagen bis maximal 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank versichert.

Alternative Möglichkeiten

Oelmann sagte weiterhin, dass sich Verbraucher aus ihrer Sicht umstellen müssten, und sich mehr dem Risiko öffnen müssten, um überhaupt noch Rendite-Chancen zu haben. Sie machte auf Alternativen wie weltweite Indexfonds, auch ETFs genannt, aufmerksam. Wie viel Geld Anleger schlussendlich in Fonds anlegen wollen, sei eine individuelle Entscheidung, je nachdem wie risikofreudig ein Sparer sei, sagte Oelmann. Zu beachten sei dabei die Höhe der laufenden Fonds-Kosten. “Gebühren können etwa für das Depot, den Handel, die Verwaltung und die Vermittlung der Produkte anfallen”. ETFs seien mit bis zu 0,5 Prozent pro Jahr günstiger als aktiv gemanagte Fonds, deren laufende Kosten sich auf 1,5 bis 2 Prozent belaufen könnten. Außerdem kämen bei aktiv gemanagten Fonds zusätzliche Kosten auf den Anleger zu: Ausgabenaufschläge von bis zu 5 Prozent plus Extragebühren seien keine Seltenheit, so Oelmann.

red., Bild: Pixabay/walldi