Es war einmal das Stadtbad

Architekturstudenten widmen sich dem verendeten Kulturort in ihrer Bachelor-Arbeit.

Heimlich und leise wurde dem ehemaligen Stadtbad Wedding (heute Stattbad) an der Gerichtstraße die Abrissbirne ins Dach gejagt. Wer die alte Volksbadeanstalt von der Hauptfront betrachtet, sieht ein riesiges Loch mit zerfetzten Mauern, von hinten wird das Ausmaß dann richtig sichtbar. Schutt und Asche türmen sich unter dem alten Schwimmbecken, vereinzelt erinnern die hervorblitzenden hellblauen Kacheln an die alten Schwimmbecken, die zuletzt auch als Tanzfläche dienten. Dass das Stattbad Wedding gehen muss, macht viele der Anwohner rund um die Gerichtstraße betroffen. „Dabei hätte dieses einmalige Gebäude so viel Potenzial für eine außergewöhnliche Nachnutzung gehabt“, sagt Rebecca David. Die Architektur-Studentin hat sich gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Fabian Herzog dem ehemaligen Stadtbad in einer Bachelor-Arbeit gewidmet. Unter dem Titel „Umnutzung und Revitalisierung des ehemaligen Stadtbads Wedding“ haben sie Ideen erarbeitet, wie das Stattbad zu einem Anziehungspunkt für die ganze Stadt hätte werden können.

Schnelles Ende

Es sei ein Jammer, dass das Stattbad im Schnellverfahren abgerissen wurde, sagt Rebecca. „Wir haben das ganze Kulturangebot dort genutzt.“ Nach dem Verkauf an einen Privatinvestor firmierte es ab 2009 unter dem Namen Stattbad Wedding und diente kulturellen Zwecken. Besonders beliebt waren die Partys. „Die Location war einmalig, das Lineup immer hochwertig. Es war, als würde man in einem U-Boot Tanzen“, erinnert sich Fabian. Eine besondere Mischung aus Kreativwirtschaft von Grafikdesign über Ateliers, ein Skateboard-Museum, insgesamt ein innovativer Co-Working-Space, hatten sich in dem architekonisch sehr besonderen Gebäude angesiedelt. Nachdem das Stattbad im Mai 2015 wegen mangelnder Brandschutzmaßnahmen vom Bauamt geschlossen wurde, erfolgten keine weiteren Instandhaltungsmaßnahmen seitens des damaligen Besitzers Arne Piepgras. Dann verkaufte er das Stattbad an eine Regensburger Firma, die den Abriss einläutete, um auf dem Gelände eine Wohnanlage zu errichten. „Wir waren total überrascht, als wir im April einen Anruf bekommen haben, dass das Stattbad verkauft ist“, sagt Rebecca.

cr_lvs_mi-wd-ti_stattbadEinen Monat vorher hatten sie und Fabian ihre Bachelor-Arbeit eingereicht und für ihre Ideen eine glatte Eins eingeholt. Das 4.000 Quadratmeter große Gebäude wollten die beiden Studenten auf 12.000 Quadratmeter inklusive Außenbereich ausbauen. Späti und Restaurant im Erdgeschoss, das ehemalige Damenschwimmbad sollte wieder zum echten Schwimmbad erweckt werden. Die große Halle sollte als Veranstaltungshalle dienen. Am Restaurant wäre nach den Ideen von Rebecca und Fabian eine Terrasse gebaut werden, im Hinterhof hätte ein überdachter Garten Platz gefunden. „In den oberen Geschossen haben wir Mikro-Appartements geplant“, erklärt Fabian. Und auf dem Gebäude selbst hätte unter einem Glaskubus mit Blick auf den Fernsehturm gespeist werden können. „Unsere Arbeit zielte darauf ab, dieses außergewöhnliche Gebäude nutzbar zu machen und ihm neuen Charme zu verleihen“, sagt Rebecca. Es wird fehlen im Wedding. „Es gibt nichts Vergleichbares hier, die kreative Szene war hier zuhause“, so Fabian abschließend.

Text und Bilder: Sara Klinke