Schloßstraße verliert an Glanz

Immer mehr Läden in der größten Einkaufsmeile machen dicht.

Seit einiger Zeit mehren sich die Berichte über leerstehende Läden in der Schloßstraße. Dabei hat es Leerstände auf der berühmten Steglitzer Einkaufsmeile immer wieder gegeben. „Seit diesem Jahr sind sie allerdings ganz schön augenscheinlich geworden“, sagt Ladenbesitzerin Petra Aengeneyndt. Ihr Wäschehaus Elfi ist mit rund 70 Jahren ein Urgestein in der Schloßstraße. Aber die kleinen Läden um sie herum werden zwischen all den Filialen der großen Ketten und Einkaufszentren immer weniger.

Bedrohliche Situation

cr_lvs_ti_stze_43Mit der bedrohlichen Situation sieht sich die Inhaberin jeden Tag konfrontiert. Direkt gegenüber ihres Ladens stehen seit Monaten zwei große Geschäfte leer. Trotzdem ist Aengeneyndt für die Zukunft optimistisch: zu speziell sei ihr Textilangebot, für Online-Händler sei das wegen der vielen Rücksendungen kein gutes Geschäft. Wie es insgesamt den Geschäften in der Straße geht, lässt sich vermutlich gerade in der anstehenden Vorweihnachtszeit erkennen. Laut Aengeneyndt wird der verblassende Glanz schon bei der Weihnachtsbeleuchtung sichtbar: seit zwei bis drei Jahren fällt sie immer mickriger aus. Ob sich hier tatsächlich der Niedergang der Schloßstraße ankündigt, ist schwer zu sagen. Mit 200.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist sie immer noch der größte Einzelhandelsstandort Berlins. „Die Schloßstraße hatte bereits in der Vergangenheit Krisen, etwa um die Jahrtausendwende, als es dort plötzlich sehr viele Telefonläden gab“, sagt Gernot Mann, Referent des Bezirksbürgermeisters Norbert Kopp. Dass in den nächsten Jahren wieder verstärkt Matratzen-Discounter oder Handyhüllen-Geschäfte in die leeren Läden ziehen, glaubt Mann nicht. Die Schloßstraße sei immer noch eine Top-Lage und die Mieten dementsprechend hoch. Im kommenden Jahr will Mann die Leerstände detailliert erfassen und auswerten.

Einkaufszentren mit Impulsen

Eine pauschale Kritik an den vielen Einkaufszentren, die kleine Geschäfte verdrängten, teilt Mann nicht. „Als 2006 das Schloss eröffnete, hat das auf dieser Höhe der Schloßstraße für einen Impuls gesorgt“ sagt Mann. Davon hätten auch die kleineren Geschäfte profitiert. Wichtig sei, dass sich die Einkaufszentren gleichmäßig über die Schloßstraße verteilen. Laut Berichten haben jedoch auch die großen Einkaufstempel wie das Boulevard Berlin mit Leerständen zu kämpfen. Ein großes Problem ist dabei die Digitalisierung des Handels. „Das Kaufverhalten der Konsumenten hat sich verändert und diese Herausforderung müssen die Geschäfte und Einkaufszentren annehmen“, sagt Michal Dziedzina, Center Manager vom Boulevard Berlin.

Daniel Seeger, Bild: imago/Schˆning