Abriss des SEZ rückt näher

Senat stellt erste Entwürfe für künftige Bebauung vor.

Zur Eröffnung kam Erich Honecker: Viele Berliner verbinden mit dem SEZ persönliche, sogar liebevolle Erinnerungen. Doch das Prestige ist Vergangenheit. Das 1981 errichtete Sport- und Erholungszentrum entwickelt sich zunehmend zu einem Albtraum. Seit der Unternehmer Rainer Löhnitz das Areal vor 13 Jahren erworben hat, liegt er im Dauerclinch mit der Verwaltung. Zunächst mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das ihm ankreidete, trotz klarer Vertragsklausel den Schwimmbetrieb nicht wieder aufzunehmen und den Rest der Anlage auf Verschleiß zu fahren. Immer wieder wurde gefordert, das Land Berlin solle den Verkauf rückgängig machen. Mittlerweile liegt die Planungshoheit beim Senat. Bausenator Andreas Geisel hat sich mehrfach für Neubauwohnungen und eine Schule auf dem Gelände ausgesprochen.

Kürzlich präsentierte der SPD-Politiker erste Entwürfe. Eine Variante sieht vor, an der Landsberger Allee Geschäfte, Restaurants sowie Sport- und Freizeithallen zu errichten. Dahinter sollen laut Planungsentwurf vier Wohnanlagen gebaut werden. An der Landsberger Allee/Danziger Straße sind Hochhäuser mit bis zu zehn Stockwerken angedacht. In einer zweiten Variante ist von drei Wohnanlagen die Rede. Beide Konzepte sehen am Westrand des SEZ eine Schule vor. Daneben ist ein 1.000 Quadratmeter großer Park angedacht. All das deutet auf einen Abriss des maroden Gebäudeensembles hin, möglicherweise im Jahr 2018. Senatssprecherin Petra Rohland betont, die „vorhandenen baulichen Anlagen haben Bestandsschutz“. Was sie nicht sagt: Dieser kann unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben werden.

Bis Ende 2017 soll das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen sein. Löhnitz will sich den städtebaulichen Planungen nicht unterwerfen und hat nach eigenen Angaben vor Gericht eine Normenkontrollklage in die Wege geleitet: „Der SEZ-Park wird niemals bebaut, dafür werde ich sorgen.“ Er wirft dem Senat vor, den Schulneubau vorzuschieben, um seine Nutzungspläne zu torpedieren. Zumal der Bedarf für den Schulstandort ungeklärt sei. Rohland verweist auf die steigende Nachfrage bei Schulplätzen und die „besondere Eignung“ des Grundstücks, unter anderem wegen der guten Straßenbahnanbindung und des Sportplatzes. Derzeit spricht wenig dafür, dass sich beide Seiten noch einig werden. Wird der Kaufvertrag am Ende doch noch rückabgewickelt? Laut Rohland prüft die Senatsverwaltung für Finanzen diesen Schritt. Der Friedrichshainer Abgeordnete Steffen Zillich (Die Linke) hält das für eine Option. Zugleich fordert er Geisel auf, keine vollendeten Tatsachen zu schaffen und die Planungen mit dem Bezirk abzustimmen. „An Luxuswohnungen am Park besteht kein öffentliches Interesse“, so Zillich.

Nils Michaelis, Bild: imago/Jürgen Ritter