Das Gesichtsbuch des Bezirks

Lichtenberg ist nicht unbedingt berühmt, für seine Beschreibungen architektonisch bedeutsamer Zeugnisse des modernen Bauens in der Stadt. Vollkommen falsch: Denn genau hier in diesem Teil Berlins gibt es sehr wichtige Pionierleistungen des Neuen Bauens, die in der historischen Betrachtung als besonders wertvoll zu werten sind: der „Sonnenhof“ an der Marie-Curie-Allee, die ersten Häuser in Großtafelbauweise in der Splanemann-Siedlung oder die Max-Taut-Schule, die alle in den 1920er Jahren entstanden sind, gehören dazu.

Mit Pionierprojekten

Zum Neuen Bauen in Lichtenberg zählen auch die ersten Plattenbauten des Typs P2 mit ihren sechs Meter überspannenden Deckenplatten am Fennpfuhl, wo ab 1971 die erste Großsiedlung für 50.000 Menschen entstand, die noch immer als einer der weltweit erfolgreichsten Exportschlager der DDR-Wirtschaft gilt. Die „Platte“ nach DDR-Machart gibt es in Bulgarien, in Kuba und in Russland – und es gibt Fachleute, die auch die Verwandtschaft zur Bauweise in Westberliner Großwohnsiedlungen wie dem Märkischen Viertel und der Gropiusstadt problemfrei und nachvollziehbar herstellen können.

Neue Perspektive

Lichtenberg kann tatsächlich auch als ein Freilichtmuseum zur Geschichte des seriellen Wohnungsbaus betrachtet werden. Alle Typen des Plattenbaus von seinen frühesten Anfängen bis ins Jahr 1989/1990 finden sich hier. Der jetzt vorgestellte Architekturführer „Die moderne Stadt Berlin-Lichtenberg“ ist dazu das passende Buch für interessierte Laien wie Experten zugleich und wird den Leser mit auf eine Entdeckungsreise durch den Bezirk nehmen. Das Paperback erläutert die verschiedenen Arten von Gebäuden und beschreibt ausgewählte Objekte. Selbst alteingesessene Nachbarn werden überrascht sein, wie viele architektonische Schätze Lichtenberg zu bieten hat. Zusammengetragen und verfasst haben den lesenswerten Band zahlreiche Autoren, darunter Kunsthistoriker, Architektur- und Stadtbauhistoriker, Germanisten, Städtebauingenieure und Architekten. Eine Karte mit Empfehlungen für Spaziergänge, ein Literatur- und ein Personenverzeichnis vervollständigen den komplett farbigen Band. Die Produktionskosten in Höhe von rund 20.000 Euro für das 192-seitige Taschenbuch schöpfte das Bezirksamt schließlich aus dem Topf der sogenannten „Sprinterprämie“. Die bekam der Bezirk in den vergangenen Jahren als einen Bonus für schnelle Bearbeitung von Bauanträgen zugeteilt.

Matthias Jessen / ylla, Bild: Giovanni Lo Curto

Der Architekturführercr_lvs_li_ho_44_archit_2

Herausgeber: Steffen Maria Striezel, Thomas Thiele, Dirk Moldt und Bezirksamt Lichtenberg von Berlin – Museum im Stadthaus
ISBN: 978-3-95723-107-9
Umfang: 192 Seiten, zahlreiche Abbildungen,
12,5 x 20,5 cm, Klappenbroschur
Preis: 16,95 €