Ein Verein für rechte Schläger?

BFC Dynamo weist Angebot einer antirassistischen Initiative zur Zusammenarbeit zurück.

Der Fußball-Verein BFC Dynamo wird sein Problem mit rechtsradikalen Fans nicht los. Nach einem jüngsten Vorfall muss sich nun auch die Vereinsführung schwere Vorwürfe der Opferberatung „ReachOut“ gefallen lassen. Ein aus Kamerun gebürtiger Mann war bei Fan-Übergriffen nach dem Spiel zwischen dem BFC Dynamo und dem HSV Anfang September schwer verletzt worden. Im Mauerpark seien er und seine Freunde von BFC-Fan rassistisch beschimpft und körperlich angegriffen worden. Joel S. trug dabei eine schwere Augenverletzung davon und musste zehn Tage im Krankenhaus behandelt werden. Bis heute klagt er darüber, nicht wieder die volle Sehkraft erlangt zu haben.

Vorstand bleibt passiv

cr_lvs_titel_li_ho_pa_pr_we_44Doch weder die Berliner Polizei noch die Dynamo-Vereinsführung nehmen die Attacke richtig ernst: Der Vorstand wolle sich mit dem Thema im Juni 2017 befassen, dann sei die nächste reguläre Sitzung, teilt der Verein lapidar mit. Die Berliner Polizei will von dem Angriff nichts mitbekommen haben. Joel sagt, er habe Schutz bei den Einsatzkräften gesucht, sei aber abgewiesen worden. Mittlerweile hat sich das Landeskriminalamt eingeschaltet und ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Beamten vor Ort. Die Berliner Polizei beteuert: Nach Randalen auf der Schönhauser Allee seien zahlreiche Platzverweise gegen Hooligans ausgesprochen, so heißt es in einer Stellungnahme der Senatsverwaltung für Inneres. Von rassistischen Übergriffen ist in den Antworten auf eine kleine Anfrage der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus jedoch nicht die Rede.

Vorwürfe gegen Polizei

„Die Täter sind noch immer nicht ermittelt worden“, beklagt ReachOut-Sprecher Martin Steinberg, seine Organisation unterstützt Joel S. Für Steinberg steht fest: „Diesen Fall wollte die Polizei vertuschen.“ Der Polizeieinsatz soll an diesem Nachmittag von einer noch neuen, unerfahrenen Einsatzleitung geführt worden sein, berichtet Arthur Starker, Sprecher des Fanprojektes Berlin. Er kennt das Geschehen am Jahnsportpark und die Gewaltbereitschaft der Dynamo-Hooligans aus jahrelanger Erfahrung. „Der harte Kern besteht noch immer aus Faschos, Hooligans und Rockern“, fasst er zusammen. Die Vereinsführung wahre zu der rechten Szene nicht ausreichend Distanz.

Altes Problem

Seitdem der BFC im Jahnsportpark spielt, gibt es aus dem Umfeld der Spiele immer wieder Klagen über rechtsradikale und rassistische Pöbeleien und Gewalt. Einen aktuellen Handlungsbedarf sieht die Vereinsführung zu den Vorfällen indes nicht. Das ist zumindest der Absagemail zu entnehmen, die die Dynamo–Vereinsführung auf die Einladung zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit „ReachOut“ formuliert hat: „Wir möchten uns herzlich für die tollen Ideen der antirassistischen und antifaschistischen Initiativen in Ihrer Einladung bedanken. Seien sie versichert, dass wir dieses Thema in der turnusmäßigen Sitzung der Vereinsgremien besprechen werden.“ Wie gesagt: das wäre dann im Juni 2017.

Text und Bilder: Stefan Bartylla