Nein zu häuslicher Gewalt

Soziales: Bezirksamt zeigt mit neuer Dienstvereinbarung Haltung gegen Gewalt.

Mit der Dienstvereinbarung „Nein zu häuslicher Gewalt – Mut zum Gespräch am Arbeitsplatz“ fügt das Bezirksamt dem Kampf gegen Gewalt an Frauen ein kraftvolles Instrument hinzu.

Viele Gesichter

Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt ist in Berlin anhaltend hoch. Im letzten Jahr wurden 14.490 Fälle bei der Polizei registriert – die Dunkelziffer liegt weit darüber. Bis zu 90 Prozent der Opfer sind Frauen. Eine Studie des Bundesministeriums zeigt, dass jede vierte Frau in Deutschland in ihrem Leben mindestens einmal körperliche Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter: Es gibt körperliche, psychische, sexuelle und ökonomische Gewalt. Die Folgen können am Arbeitsplatz sichtbar werden.

Gewalt im Amt

„Aufgrund der hohen Fallzahlen in unserer Stadt ist es wahrscheinlich, dass auch unter den vielen im Bezirksamt Beschäftigten Menschen sind, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Der Arbeitgeber kann hier Unterstützung bieten“, sagt Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. Zum Beispiel bei der psychischen Gewalt, die sich zum Beispiel in Nachstellen, Einschüchtern und Stalking zeigt. Hier sei mit der Dienstvereinbarung beschlossen worden, dass unkompliziert eine Durchwahl am Diensttelefon geändert werden kann, dass eine kurzfristige Umsetzung in ein anderes Büro möglich ist und im Zweifel auch ein Hausverbot ausgesprochen wird. „Außerdem haben wir vier Ansprechpersonen aus verschiedenen Abteilungen benannt, bei denen sich Betroffene beraten lassen können,“ so Kleebank. Initiatorin der Dienstvereinbarung ist Sabine Bachmann-Fiedler, die als gewählte „Frauenvertreterin“ die Interessen der weiblichen Mitarbeiter im Bezirksamt vertritt: „Ich habe sehr lange im sozialen Bereich gearbeitet. In dieser Zeit wurde ich mit dem Thema Gewalt an Frauen und Kindern konfrontiert. Ich denke, dass Gewalt leider nicht vor der Tür des Rathauses halt macht.“ Ihr interner Workshop sollte eigentlich den Fachkräften im Umgang mit betroffenen Bürgerinnen nutzen, habe aber gezeigt, dass das Thema auch den Kolleginnen selbst nicht fremd ist. „Zwei Frauen haben sich mir direkt mit eigenen Erfahrungen zu erkennen gegeben“, sagte sie. Dann zogen alle an einem Strang: Bezirksbürgermeister Kleebank war sofort bereit, für das Bezirksamt eine Dienstvereinbarung zu entwickeln, die Personalrätin brachte die wichtigsten Standpunkte der Beschäftigtenvertretung ein und Sabine Bachmann-Fiedler holte die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks, Annukka Ahonen, ins Boot.

Blaue Fahne weht

„Ich bin auch eine der vier in der Dienstvereinbarung benannten Vertrauenspersonen des Bezirksamts, bei denen sich die Kolleginnen intern Unterstützung holen können, und arbeite mit den Spandauern, dem Frauenbeirat und den Beratungsstellen in den Kiezen bereits intensiv zusammen“, erklärt Annukka Ahonen. Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, am 25. November, wird wieder für eine Woche die blaue Fahne von „Terre des Femmes“ vor dem Rathaus wehen.

Anke Walter, Bild: BA Spandau (Haverland-Hirsch)