Die offenen Dächer von Lichtenrade

Wohnungsbau: Zwei Jahre nach dem Termin zur Fertigstellung stehen viele Wohnungen im Freien.

In Lichtenrade wachsen die Dächer nicht so schnell in den Himmel. Ende 2013 startete das Aufstockungs-Projekt in der Barnet-, der Werfel-, der Geibelstraße und im Simpsonweg, Fertigstellung sollte Ende 2014 sein. Zwei Jahre nach dem anvisierten Termin stehen die meisten der 65 Eigentumswohnungen immer noch im Freien. Dabei sind noch nicht mal nur die offenen Dächer des jeweiligen Bauabschnitts ein Problem. „Im Vierer-Block Simpsonweg 4 bis 4c läuft das Wasser von den neuen Balkonen durch das alte Dach in die Wohnungen“, erzählt ein betroffener Anwohner. „Auf unserem Rücken werden hier Schäden produziert, die teilweise nicht zu sehen sind und Folgeschäden nach sich ziehen werden.“ Wechselnde Firmen würden beispielsweise das Dach nicht richtig abdichten, alte Lüftungsrohre seien zu Wasserrohren umfunktioniert und die Wasserschäden im alten Dach einfach mit Zement zugeschmiert worden. „Die Bauunternehmen übergeben den Schlüssel und sind dann weg“, sagt der Anwohner. Oder sie sind, wie in der Vergangenheit geschehen, insolvent.

Diesen Vorwürfen widerspricht Mahmut Tosun, Geschäftsführer des Bauträgers KAGA Parkgärten Lichtenrade GmbH. Demnach hat es zwar in 18 Wohnungen im Simpsonweg und in der Geibelstraße Wasserschäden gegeben, 95 Prozent der Schadenssumme sei aber bereits durch die Versicherung beglichen. Tosun: „Mit drei Eigentümern sind wir noch im Rechtsstreit, aber auch diese Schäden werden beglichen.“ Es habe zwar einzelne Insolvenzen gegeben, aber bei Dachdecker-, Sanitär und Elektrikbetrieben arbeite der Bauträger durchgehend mit den gleichen Firmen zusammen. Dass viele Schäden durch Verzögerungen entstanden sind, weiß auch Tosun. Das Problem sei die hohe Nachfrage nach Baukapazitäten in Berlin. „Unternehmen, die gut und preiswert arbeiten, stehen unter einem extremen Terminstress“, sagt der Bauunternehmer. Kann ein Unternehmen im vereinbarten Zeitfenster nicht arbeiten, kommt der gesamte Zeitplan ins Rutschen. „Wir haben deshalb die Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte mehrmals nach hinten korrigieren müssen. Dafür möchte ich mich bei den betroffenen Anwohnern entschuldigen.“

Immerhin sind im aktuellen Bauabschnitt im Simpsonweg 2 und in der Geibelstraße 69-71 laut Tosun nur zwei Wohnungen von Wasserschäden betroffen. „Und wir werden das Risiko durch den Einsatz von Fertigbauteilen und kürzeren Bauzeiten weiter reduzieren“, verspricht er. Bis Ende dieses Monats soll im Simpsonweg 2 das Dach drauf sein, in der Geibelstraße 69-71 dann im Dezember.

Daniel Seeger, Bilder: BAB-Archiv