Obdachlose zu Besuch beim Papst

Religion: Gäste der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot Berlin im Vatikan.

Obdachlose aus der „Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot Berlin“ an der Levetzowstraße im Hansaviertel haben den Papst besucht. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte am vorigen Freitag tausende Obdachlose zur Audienz nach Rom eingeladen und sie um Verzeihung gebeten für die Momente, in denen sich die Christen von den Armen abgewendet hätten. Die Armen seien diejenigen, die Frieden schafften – deshalb seien die Welt, die Kirche und die Religionen auf sie angewiesen. Das Heilige Jahr, das Franziskus unter dem Motto „Barmherzigkeit“ ausgerufen hatte, endet am 20. November.

Per Losglück

Rund 3.000 bis 4.000 Besucher aus mehr als 20 Ländern reisten zu dieser Audienz, darunter 19 Berliner. Unterstützt von der Caritas und privaten Spendern konnten neben den Reisenden aus dem Hansaviertel auch Mitglieder der Malteser-Suppenküche Alt-Lietzow aus Charlottenburg sowie fünf Mitglieder der Suppenküche vom Franziskanerkloster in den Vatikan pilgern. Rana Bose, der für die Suppenküche Pankow als Betreuer mitfuhr, erklärt: „Die ursprüngliche Idee war, ungefähr mit einem Drittel Betreuer und zwei Dritteln Obdachlosen zu reisen. Das aber war so nicht zu realisieren.“ Denn Alkoholiker und Drogenabhängige mitzunehmen, galt als zu unberechenbar. Flüchtlinge schieden meist wegen fehlender Reisedokumente aus. In Frage kamen vielmehr Menschen mit Drogen- oder Alkoholvergangenheit oder psychischen Problemen. Nach einem Aufruf hatten sich 16 Reisewillige gemeldet, per Los wurden die Glücklichen gefunden,
die ins Flugzeug nach Rom steigen durften. Doch bis zuletzt veränderte sich die Gruppenzusammensetzung noch, weil „die Zuverlässigkeit unserer Gäste immer eine spannende Sache ist“, wie es Bose ausdrückt.

Nichts verstanden

Mit zwei Vorbereitungstreffen wurde auf die „geistliche Reise“ eingestimmt. Die Audienz am Freitag sei dann „sehr voll und sehr stressig“, aber eben auch beeindruckend gewesen. „Mit dem Papst einen Menschen einmal live zu erleben, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, war schon ergreifend“, gibt Bose die Eindrücke seiner Pankower wieder. Da spielte es kaum noch eine Rolle, dass es mit der Übersetzung der Papstworte nicht klappte. „Gejubelt wurde trotzdem.“

Große Messe

Nach einem Besuch der Papstbasilika „Sankt Paul vor den Mauern“ am Samstag mit Unterricht beim französischen Kardinal Philippe Barbarin wurde die Wallfahrt abschließend am Sonntag mit einer großen Papst-Messe auf dem Petersplatz gefeiert. Besonderes Privileg der Pankower: Sie durften die Messe im Petersdom verfolgen und kamen dem Heiligen Vater so noch einmal ganz nah. Seine Botschaft: „Hört nicht auf zu träumen!“

Michael Hielscher, Bild: Rana Bose