Rummelsburger Haus steht am Ende der Flucht

Rummelsburg: im SozDia-Haus leben junge Flüchtlinge, die ihre Eltern verloren haben.

Das Bad ist mit edlen Schiefertafeln verblendet, es gibt einen riesigen Flat-Screen-Fernseher in der Küche, die Böden in den Gemeinschaftsräumen sind allesamt hochwertig gefliest und auch bei der Kücheneinrichtung dominiert Qualität – großzügig und stabil gestaltete Anrichten, ein riesiger Kühlschrank und auch die bekannte Markenqualität bei den Küchengeräten lässt vermuten: Hier wurde nicht gespart. „Eigentlich sollte das Haus ja als Studentenwohnheim genutzt werden“, erklärt Michael Heinisch, Vorstandsvorsitzender der SozDia Stiftung. Geplant war, dem eigenen sozialpädagogischen Nachwuchs großzügige Unterkünfte für die Studienzeit zu bieten. „Mit den großen Flüchtlingsströmen auch nach Berlin hatten wir plötzlich einen ganz anderen Bedarf. Turnhallen, Büroflächen und leere Immobilien waren von einem Tag auf den anderen zu Unterkünften umfunktioniert worden. Und für junge Flüchtlinge ohne elterliche Begleitung gab es kein Angebot“, erklärt der Diakon, dessen SozDia-Stiftung seit über 25 Jahren in Lichtenberg für bemerkenswerte Lösungen in der Jugendarbeit bekannt ist. Zahlreiche Hausbesetzer und Obdachlose haben durch und mit der Arbeit in der Stiftung den Weg in eine eigene berufliche und familiäre Existenz geschafft.

Ein Zuhause

Seit Dezember 2015 sind nun auch geflüchtete Jugendliche aus Syrien und Afghanistan im Fokus der Stiftungsarbeit. Und dabei bedeutet das frisch sanierte Haus eine neue Heimat. „Hier wohnen 18 junge Männer im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Die sind allesamt im vergangenen Jahr hier nach Berlin gekommen. Die Angehörigen gibt es zum Teil nicht mehr – verschwunden, vielleicht tot oder sie sitzen noch irgendwo in einem Camp auf einer der Flüchtlingsrouten fest“, erklärt Andreas Höll, der pädagogische Leiter des neuen Interkulturellen Jugendwohnhauses (IKJ) in der Saganer Straße, Ecke Hauptstraße. Hier soll den jungen Männern geholfen werden, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen.

Das Programm

„Der typische Tagesablauf unserer Bewohner sieht gar nicht so viel anders aus, als der der deutschen Altersgenossen. Morgens geht es ganz normal in die Schule, am Nachmittag und am frühen Abend machen die Jungs Sport in Vereinen oder bekommen Nachhilfe in verschiedenen Schulfächern“, so Höll. Demnächst sollen auch Praktikumswerkstätten der SozDia angeboten werden, um die Jugendlichen auf den Berufs- und Ausbildungseinstieg vorzubereiten. „Dringendster Bedarf ist nun, die Jugendliche spätestens mit dem 18. Lebensjahr in eine Ausbildung zu bekommen. Das ist nämlich eine Grundvoraussetzung, damit sie auch hier in Deutschland sicher bleiben können“, erklärt Michael Heinisch. Parallel dazu gibt es dann noch mit der Wohnungssuche eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabenstellung im heiß umkämpften Wohnungsmarkt. „Das ist aber für viele der Bewohner noch weit weg. Wir haben es ja jetzt gerade mal geschafft, den Jungs zu vermitteln, dass sie hier richtig wohnen dürfen und sich nicht mehr auf der Flucht befinden“, erklärt der Diakon, dem die Qualität der Einrichtung, die ja eigentlich für ein Studentenheim gedacht war, auch für diesen Zweck sehr gut gefällt. „Die Menschen hier sollen sich zu Hause fühlen. Und diese schöne Ausstattung hilft dabei genauso, wie die Arbeit des zehnköpfigen Teams, das die Jugendlichen hier rund um die Uhr betreut“, so Heinisch.

Text und Bild: Stefan Bartylla