Karl-Marx-Allee wird wieder zur Rennstrecke

Sport: Proteste gegen die Formel E-Rennserie mitten in der Stadt.

Alle Proteste, Einwände und Bedenken, die Karl-Marx-Allee auch im nächsten Jahr wieder zur Rennstrecke zu machen, haben nichts genützt: Am 10. Juni 2017 soll die Formel E-Rennserie zum zweiten Mal mitten in der Stadt stattfinden. Jetzt hat der Stadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Dr. Peter Becker, den Senat aufgefordert einen geeigneten Platz außerhalb des S-Bahn-Rings zu suchen. „Bereits in diesem Jahr gab es massive Proteste gegen die Veranstaltung. Drei Wochen lang mussten die Anwohner mit Halteverboten, Sperrungen und dem Lärm während der Auf- und Abbauarbeiten sowie am Wochenende des Rennens selbst leben“, sagt der Bezirksstadtrat.

Einschränkung der Lebensqualität

Erst nach Monaten und einem Rechtsstreit wären die Veranstalter bereit gewesen, die Sondernutzungsgebühr für die Austragung des Großereignisses zu entrichten. Dabei drehte sich der Streit auch um die Frage, ob die Veranstaltung im besonderen öffentlichen Interesse des Landes Berlins oder rein kommerzieller Natur war, was allein schon durch die Ticketkosten- und Einnahmen begründet sei. Die Verkehrseinschränkungen auf einer der Hauptverkehrsadern Berlins, die tagelange Einschränkung der Lebensqualität tausender Menschen und weitere Großereignisse in der Innenstadt könnten jedoch nicht öffentliches Interesse des Landes Berlins sein und widersprächen den Vorstellungen der Bezirke. 2015 rasten die Formel E-Boliden noch auf dem Tempelhofer Feld um WM-Punkte. Weil in den Hangars aber inzwischen Flüchtlinge leben, kann die Rennserie dort nicht mehr stattfinden. Die Teams zog es deshalb in diesem Jahr nach Mitte, an die Grenze zu Friedrichshain. Der Kurs führte mit elf Schikanen über die Karl-Marx-Allee, den Straußberger Platz und die Lichtenberger Straße. „Wir waren sehr unglücklich über die Entscheidung des Senats das Autorennen gegen den Willen des Bezirks auf der Karl-Marx-Allee durchführen zu lassen“, sagt Boris Velter, Kreisvorsitzender der SPD Mitte. Und sein Friedrichshainer Kollege Harald Georgii ergänzt: „Es ist nicht einzusehen, warum ein solches Großereignis ausgerechnet in den jetzt schon mit Tourismus und Veranstaltungen überlasteten Innenstadtbezirken durchgeführt werden muss. Der Senat könnte die Formel E nutzen, um Außenbezirke zu beleben. Das wäre für alle Beteiligten eine win-win-Situation.“

Nicht zumutbar

Ablehnend stehe auch das Bezirksamt Mitte dem geplanten Rennen gegenüber, teilt Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) mit. „Der Bezirk hält die Einschränkungen für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer durch diese Veranstaltung für nicht zumutbar.“

Anke Walter, Bild: FIA Formula E Championships