Räumen statt Wohnen

Wegen Baumängel müssen Tempohomes geräumt werden.

Die in der Zossener Straße für die Unterbringung von geflüchteten Menschen errichteten Tempohomes müssen vorläufig erst einmal wieder geräumt werden. „Fehler in der elektrischen Installation, die der spanische Hersteller verursacht hat, müssen erst behoben werden“, erklärt Julie von Stülpnagel, Leiterin der Flüchtlingshilfe im Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk, die die Tempohomes in Marzahn-Hellersdorf betreibt. Ein konkreter Auszugstermin der 300 Bewohner steht noch nicht fest. „In den nächsten Wochen werden wir die Menschen auf andere Häuser verteilen. Zum Teil in der Nähe, aber auch in Einverständnis mit den Bewohnern an anderen Orten in Berlin“, so die Leiterin, die mit einer Reparaturphase von drei bis sechs Monaten rechnet. „Danach sollen die Bewohner wieder hierher in die Tempohomes zurück ziehen“, so von Stülpnagel.

Ausweich gesucht

cr_lvs_pa_turnhallenDie Reaktion im Marzahn-Hellersdorfer Bezirksamt fiel angesichts dieser Nachricht äußerst emotional aus. „Mit Bestürzung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass dieser Standort wegen gravierender Baumängel geräumt werden muss“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle in einer Stellungnahme und ergänzte: „Wir erwarten die schnellstmögliche Beseitigung der Mängel, so dass der Standort so rasch es geht vollständig wieder von den jetzigen Bewohnern bezogen werden kann. Für die hoffentlich kurze Zeit des Auszugs erwarten wir, dass das Landesamt für Flüchtlinge einen Ausweichstandort anbietet, der nahe genug ist, dass die Bewohner, die jetzt bereits schon begonnenen Integrations- und Sprachkurse in Berlin weiter nutzen können und für die Kinder der bereits gestartete Schulbesuch in Marzahn-Hellersdorf weiter möglich ist.“ Grundsätzlichere Probleme zum Betrieb der Tempohomes zeichnen sich indes in ganz Berlin ab. Bis zum Jahresende, so lautete das Versprechen des Senats, sollten alle als Notunterkunft genutzten Sporthallen wieder frei sein. Doch etliche vorhandene und neu gebaute Flüchtlingsunterkünfte in Berlin können immer noch nicht genutzt werden, weil die Ausschreibungen für deren Betrieb fehlerhaft sind.

Hinterm Plan

Gerade mal 23 der ursprünglich 63 sichergestellten Hallen sind bis dato geräumt, nur zwei davon nach einer provisorischen Reinigung wieder von Sportlernt nutzbar. Der Grund für die Verzögerung liegt laut Presseberichten in den Abstimmungsprozessen der Behörden. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) habe im Frühsommer sieben Millionen Euro für die Honorierung von externen Experten im Vergaberecht gefordert, weil solche Fachleute behördenintern rar sind. Doch bewilligt wurden nur 1,3 Millionen Euro. Die Finanzverwaltung sucht jetzt nach „Überbrückungen“. So könnten die Containerheime vorerst einer landeseigenen Gesellschaft übergeben werden – ohne Ausschreibung. Danach könnten Interimsbetreiber für sechs bis neun Monate übernehmen. Geprüft wird offensichtlich auch die Möglichkeit, einen humanitären Notstand festzustellen, um die Heime ohne Ausschreibung beziehen zu können.

MH / ylla, Bild: Olaf Kampmann