Dreister Goldraub im Bodemuseum

3,8 Millionen Euro teure Münze wie vom Erdboden verschluckt.

Das reicht locker für eine Massenhochzeit! Ein befreundeter Goldschmied geht von circa 10.000 Trauringen aus, die aus der 100 Kilogramm schweren Münze Big Maple Leaf gefertigt werden könnten. Die wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag bei einem Einbruch in das Bode-Museum auf der Museumsinsel gestohlen. Ein Sicherheitsmitarbeiter des Museums alarmierte gegen vier Uhr die Polizei, nachdem er den Einbruch und das Fehlen der Münze, die 2007 von der Royal Canadian Mint ausgegeben wurde, entdeckt hatte. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin: „Ein Diebstahl ist für einen Museumsdirektor eine der schlimmsten Nachrichten überhaupt. Wir sind schockiert, dass die Einbrecher unsere Sicherheitssysteme überwunden haben, mit denen wir seit vielen Jahren unsere Objekte erfolgreich schützen. Die Täter sind mit großer Gewalt vorgegangen, und wir sind froh, dass kein Personenschaden entstanden ist. Nun hoffen wir, dass die Täter gefasst werden und die kostbare Münze unbeschadet in das Münzkabinett des Bode-Museums zurückkehren wird.“

Genaue Kenntnisse

The Big Maple Leaf mit Konterfei von Elizabeth II.

Ermittelt wird inzwischen auch, ob die Täter Helfer vor Ort hatten. Bei einem so spektakulären Fall prüfe man selbstverständlich, ob die Täter Insiderwissen hatten, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Es sei kaum vorstellbar, dass sie keine genauen Kenntnisse der Lage an Ort und Stelle gehabt hätten. Bei dem Abtransport der mehr als einen halben Meter großen Münze sei die Scheibe beschädigt worden. Das hätten Spuren am Tatort ergeben, sagte Wenzel weiter. Die „Big Maple Leaf“ mit dem Bild von Königin Elizabeth II. hat einen Nennwert von einer Million kanadischer Dollar (700.000 Euro) und einen geschätzten Materialwert von 3,8 Millionen Euro. Sie gehört dem Düsseldorfer Immobilienunternehmer Boris Fuchsmann. Am Montagnachmittag rief die Polizei Zeugen auf, sich bei ihr zu melden. Dabei wollte sie unter anderem wissen, wer rund um das Bode-Museum und den Monbijoupark am Montag zwischen 2.00 und 4.00 Uhr Verdächtige gesehen hat. Gefragt wurde auch, wem größere Mengen Gold angeboten worden seien. Das Museum hatte am Dienstag nach der regulären Schließung am Montag wieder geöffnet. Die Diebe waren durch ein Fenster in das Bode-Museum zwischen Bahngleisen und zwei Spree-Armen eingedrungen. Eine Etage höher brachen sie nach Polizeiangaben eine Vitrine aus Panzerglas auf und verschwanden mit ihrer Beute. Nach Angaben der Staatlichen Museen Berlin war das Stück seit 2010 als private Leihgabe im Münzkabinett.

Blick in den Tresorraum des Münzkabinetts im Bode-Museum

Bedeutende Bestände

Das Münzkabinett ist mit 500.000 Objekten eine der größten numismatischen Sammlungen. Die Sammlung verdankt ihre Weltgeltung dem Reichtum und der Geschlossenheit der Münzserien vom Beginn der Münzprägung im 7. Jahrhundert vor Christus in Kleinasien bis zu den Münzen und Medaillen des 21. Jahrhunderts. Zu den bedeutendsten Beständen gehören 102.000 griechische und etwa 50.000 römische Münzen der Antike, 160.000 europäische Münzen des Mittelalters und der Neuzeit sowie 35.000 islamisch-orientalische Münzen. Die im 15. Jahrhundert entstehende Kunstform der Medaille ist mit 25.000 Stücken vertreten.

Text: Manfred Wolf, Bilder: Imago/imagebroker, Staatliche Museen zu Berlin, SMB