Spielregeln für Neuköllns Turbokiez

Die Gegend zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee verändert sich rasant. Um die künftige Entwicklung annehmbar zu gestalten, sind auch  die  Anwohner gefragt.

Sechs Jahre ist es her, dass das Land Berlin das Gebiet um die Karl-Marx-Straße und Sonnenallee als Sanierungsgebiet festgelegt hat. Eine Zeit, in der sich das Gebiet – wie auch die ganze Stadt – verändert hat. Lag der Leerstand im Kiez damals bei rund elf Prozent, geht er heute gegen null. Die 2011 festgelegten Ziele der Sanierung werden nun an die neuen Entwicklungen angepasst. Das teilt die Aktion Karl-Marx-Straße, eine von Vereinen, Gewerbetreibenden, Anwohnern und anderen Akteuren getragene Initiative, mit, die auf Betreiben des Bezirksamts ins Leben gerufen wurde. Die Fortschreibung soll im Laufe des Jahres von der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln beschlossen werden.

„Es geht vor allem um die Frage, wie wir Konflikte zwischen verschiedenen Nutzungsarten und Nutzergruppen vermeiden können“, sagt Stadtentwicklungs-stadtrat Jochen Biedermann über die Herausforderungen. Also zum Beispiel darum, wie kleine Gewerbebetriebe im Quartier gehalten und so die typische Mischung aus Wohnen und Gewerbe gesichert werden kann. Weil es für sie keinen Milieuschutz gibt, müssen sie zunehmend um ihre Heimstatt bangen.

Kleingewerbe bedroht

Das liegt nicht nur an steigenden Mieten, sondern auch daran, dass viele Eigentümer die Räume dort lieber Gaststätten und Restaurants oder Wohnungen unterbringen, denn so winken weitaus lukrativere Mietzahlungen. „Der Bezirk kann solche Umnutzungen versagen, aber keinen indivuellen Mieterschutz anbieten, selbst wenn der Bedarf riesig ist“, so Biedermann. Wohl aber sei es Sache des Bezirks, Spielregeln für die künftige Entwicklung im Sanierungsgebiet aufzustellen und die Rahmenbedingungen zu gestalten.   Manch ein Instrument, wie etwa ein Milieuschutz für Gewerbemieter, müsste hingegen vom Land Berlin oder gar auf  Bundesebene entschieden werden, sagt Biedermann. Außerdem seien Lösungen gefragt, um die Gegend fußgänger- und fahrradfreundlicher zu gestalten, so der Grüne-Politiker. Noch bis zum 10. Mai  kann die Öffentlichkeit die aktuell beabsichtigte Fortschreibung der Sanierungsziele aktiv begleiten. Diese fußt auf  thematisch differenzierten Untersuchungen und mündet in einem Beschluss des Bezirksamts. Sämtliche Studien und der Beschlussentwurf sind öffentlich zugänglich,  wird mitgeteilt.

Weitere Informationen
www.aktion-kms.de
(030) 902392153

red/nm, Bild: Sandra Hoyn: