Tegeler Hafenfest geht in die Verlängerung

Interessenkonflikt: Das Fest soll in diesem Jahr auf zehn Tage ausgedehnt werden /Anwohner sind dagegen und befürchten eine Belästigung durch Lärm und Schmutz.

Es ist „das Fest“ in Reinickendorf – das Tegeler Hafenfest findet dieses Jahr zum 8. Mal auf der Greenwichpromenade in Alt-Tegel statt. Da es von Jahr zu Jahr immer größere Dimensionen annimmt, verkündete der Veranstalter, dass es in diesem Jahr von vier auf zehn Tage ausgedehnt werden soll. Vom 14. bis zum 23. Juli erwarten die Gäste Feuerwerke, ein großes Unterhaltungs- und Musikprogramm auf insgesamt drei Bühnen, Kinderanimation und reichlich Speisen- und Getränkestände. Für die Feierlustigen eine erfreuliche Nachricht, doch für die Anwohner ein Grund sich zu ärgern.

Die Verlängerung

Schon in den vergangenen Jahren beschwerten sie sich über Lärm, Müllansammlungen und betrunkene Besucher, die respektlos die Vorgärten der Nachbarn als Toilette missbrauchten. Nun befürchten sie eine Verschlimmerung der Zustände durch die Verlängerung des Festes und reichten Beschwerde ein: Sie forderten die alte Begrenzung auf vier Tage zurück – bisher jedoch erfolglos. „Das ist leider alles sehr unglücklich verlaufen“, äußert sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Siesmayer.

Der Veranstalter habe schon Anfang des Jahres für das zehntägige Programm im Internet geworben, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Genehmigung vorlag. Grund für die Verlängerung sei der hohe Andrang aus den vergangenen Jahren. Die etwa 120.000 Gäste sollen auf zwei Wochenenden verteilt werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Zusätzlich habe der Veranstalter eine höhere Wettergarantie und weniger wirtschaftliche Risiken, falls der Besucherstrom an einem Wochenende oder einzelnen Tagen durch Unwetter ausbleibt.

Mit Auflagen

Ganz ohne Kompromisse werden die Festtage allerdings nicht gestattet. Dem Veranstalter wurden Auflagen mitgeteilt, die er einhalten muss, um die Genehmigung zu erhalten. Dabei steht vor allem der Anwohnerschutz im Vordergrund. Konkrete Vorgaben seien fünf Tage, an denen der Lärmpegel maximal Gesprächslautstärke betragen darf. An den lärmfreien Tagen, die voraussichtlich die Tage Montag bis Freitag zwischen den Wochenenden füllen werden, soll das Kinder- und Familienprogramm, sowie Basketballturniere oder Hip-Hop-Auftritte stattfinden.

Falls es doch zu laut werden sollte, haben die Anwohner den Anspruch auf die Einhaltung der Lautstärkevorgabe und können die Hotline des Veranstalters anrufen. Außerdem sollen Zäune die Vorgärten der Anwohner schützen.
Auf dem Prüfstand. Der Veranstalter verspricht ebenfalls, den Grünbereich nach dem Hafenfest zu reinigen und in den Anfangszustand zu bringen. Das neue Konzept soll in diesem Jahr nun erstmalig geprüft werden, um für die kommenden Jahre entscheiden zu können, ob es bei vier Tagen bleiben soll oder eine Verlängerung der Veranstaltung sinnvoll wäre.

Vor Gericht

Trotz den genannten Vorgaben seien die betroffenen Anwohner jedoch nach wie vor skeptisch und reichen Klage ein. Siesmayer sei irritiert über die Klage, denn das Konzept sei größtenteils anwohnerfreundlich überarbeitet worden. „Wir dürfen die Anwohnerinteressen natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen“, sagt er. „Trotzdem sind wir darauf bedacht, das beliebte Fest stattfinden zu lassen“. Wenn es zu einem zügigen Verfahren kommt, wird das Verwaltungsgericht entscheiden, ob es zum Untersagen der Veranstaltung oder zu einer weiteren Modifizierung des Konzeptes kommt.

Marley Lackermann, Bild: Imago / EMAX