Auf der Suche nach sich selbst

Tanz: Mit „H.K. – Quintett“ erinnert das DanceLab Berlin an Harald Kreutzberg.

Verrutschter Mund und fremdes Auge

Nur noch bis 26. November wird im Dock 11, Kastanienallee 79, an Harald Kreutzberg erinnert. Der vergessene König des Ausdruckstanzes wurde er genannt, als bester Tänzer seit Nijinsky gefeiert; Er war der berühmteste Schüler von Mary Wigman und wurde ein umjubelter Weltstar. Der deutsche Tänzer-Choreograf (1902 – 1968) übte wie nur wenige Ausdruckstänzer einen weitreichenden Einfluss auf die Tanzwelt aus, sein freier und selbstverständlicher Umgang mit Männer- wie Frauenrollen ermutigte andere – wie etwa Josè Limón – erst, diesen damals noch als „unmännlich“ geltenden Beruf zu ergreifen.

Geborgte Identität

Um in „H.K. – Quintett“ mit den Geschlechterrollen zu spielen, hat DanceLab Berlin – entsprechend Kreutzbergschen Prinzipien – gemeinsam mit der Kostümbildnerin Slavna Martinovic ein System entwickelt, bei dem Männer und Frauen ihre Kostüme untereinander tauschen können und zu ‘weiblichen’ Männern oder ‘männlichen’ Frauen werden. Selbst die komplette Identität lässt sich borgen oder stehlen, indem die Tänzer/innen sich das Gesicht eines Anderen überstreifen. Alles scheint möglich – anders als zu Kreutzbergs Zeiten.

Kreutzberg entwarf in seinen Stücken Prototypen; DanceLab Berlin macht sich auf die Suche nach der Individualität. Nach wie vor beginnt sie mit dem Mut zur Abweichung. Diese kann auch unfreiwillig sein: ein seitlich verrutschter Mund, ein fremdes Auge – wie aufgemalt. Dagegen steht der Druck zur Konformität, der in „H.K. – Quintett“ allmählich dem Bedürfnis nach dem Einmaligen, Charakteristischen weicht. DanceLab Berlin ist ein deutsch-spanisches Kooperationsprojekt der Choreographen Jorge Morro und Norbert Servos. Mehr Infos zu Tickets und Preisen gibt es online.

Red., Bild DanceLAb Berlin