Ideenstreit um historisches Palais

Palais am Festungsgraben soll ab 2022 neue Mieter bekommen.

Das Ringen um ein neues Konzept für das Palais am Festungsgraben geht weiter. Nachdem bereits Ideen für ein „Deutsches Haus“ sowie für einen „Kultursalon“ öffentlich geworden waren, hofft nun eine weitere Initiative mit ihrem Konzept in das historische Gebäude ziehen zu können. Rolf Kreibich, Vorsitzender des Vereins „Haus für die Vereinten Nationen“, plant ein weltweit einmaliges Informations- und Kommunikationszentrum für die Vereinten Nationen in den geschichtsträchtigen Räumen einzurichten.

Neue Konzepte

„Die Vereinten Nationen würden in Berlin lokalisierbar und unversehens von einer fernen, schwer zugänglichen Bürokratie zu einer konkreten Realität in Deutschland, und dies im innersten Zentrum der Hauptstadt“, erklärt der Verein in dem Konzept, das noch Unterstützer sucht. Der Verein will die Lage und die historischen Säle des Palais Unter den Linden nutzen, um ein „Zentrum des hauptstädtischen öffentlichen Lebens“ zu schaffen und hat dazu ein „schlüssiges Nutzungskonzept“ entwickelt. „Zurzeit befindet sich das Palais in einem Zustand, den man zwischen „vernachlässigt“ und „beklagenswert“ einordnen kann. Dies steht in schmerzhaftem Widerspruch zu seiner einmaligen Lage und seinem Potenzial im Herzen des historischen Berlin zwischen Museumsinsel, Humboldt-Universität und Staatsoper“, heißt es zudem in der Vorstellung des Konzeptes.

Viele Ideen

Ob sich der Verein damit durchsetzen kann, ist aber fraglich. Immerhin gibt es einige Konkurrenten, die sich ebenfalls mit durchdachten Konzepten um einen Platz im Palais bewerben. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) unterstützt beispielsweise das Anliegen des Maxim-Gorki-Theaters, das hier ein „Deutsches Haus“ und ein Forum für Künstler und Wissenschaftler vorsieht, die sich mit den Themen Flucht und Zuflucht beschäftigen. Und auch die Humboldt-Universität würde die Räume gerne nutzen. Sie will ein „Forum der Religionen“ schaffen.

Die landeseigene Immobiliengesellschaft Berlinovo wiederum plant einen multifunktionalen „Berliner Kultursalon“, ein offenes Haus für „Kultur, Wissenschaft und Veranstaltungen“. Platz soll zudem für Events, Messen und Co-Working-Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch zwei Wohnungen und eine Bar mit offener Terrasse sind Teil der Idee der Berlinovo. Das altehrwürdige Gebäude soll ab 2020 für 15 Millionen Euro grundsaniert werden. 2022 soll der neue Mieter einziehen können.

Hoher Sanierungsbedarf

Das ansässige Theater im Palais soll aber auch nach der Neuvermietung bleiben dürfen. Ebenso wie das benachbarte Maxim-Gorki-Theater. Für die Nutzung hatte die landeseigene Berliner Immobilien Management (BIM) im vergangenen Jahr einen Wettbewerb ausgerufen, aus denen zehn Konzepte ausgewählt wurden. Das „Haus für die Vereinten Nationen“ hat es nicht unter die finalen drei geschafft. Für die Initiatoren unverständlich. Sie wollen nun weitere Unterstützer für ihr Projekt finden. Und auch die anderen Interessierten und Vereine werben berlinweit für ihre Ideen für das Palais.

Text: Katja Reichgardt, Bild: imago/Reiner Zensen