Straßennamen im Afrikanischen Viertel

Bezirksverordnetenversammlung beschließt Umbenennung / Anwohner bleiben kritisch.

Es hätte alles schnell gehen können, nachdem erstmals Stimmen laut wurden, die neue Namen für drei Straßen, die Kolonialisten ehren, forderten. Es sollte aber noch rund zehn Jahre dauern, bis die Umbenennung im Afrikanischen Viertel tatsächlich beschlossen wurde. In der Zwischenzeit wurde diskutiert und beraten, eine Jury mit der Namensfindung beauftragt und wissenschaftliche Gutachter befragt. Nun einigten sich die Bezirksverordneten der drei großen Parteien (SPD, Linke und Grüne) in Mitte auf vier neue Namensgeber für die Weddinger Petersallee, die Lüderitzstraße und den Nachtigalplatz. Letzterer soll künftig den Namen der Familie Bell tragen. Die Petersallee wird am Nachtigalplatz geteilt. Der vordere Teil, der in Richtung Müllerstraße führt, soll dann nach Anna Mungunda benannt werden, der hintere Teil soll Maji-Maji-Allee heißen. Aus der Lüderitzstraße wird zudem die Cornelius-Frederiks-Straße.

Viel Kritik

Auch für die Anwohner des Kiezes endet mit dem Beschluss eine lange Odyssee, zufrieden sind aber lange nicht alle. „Das gesamte Verfahren war von Intransparenz geprägt. Hätte man die Anwohner von Beginn an in die Debatte einbezogen, wäre die Stimmung jetzt wahrscheinlich eine andere“, erklärt Ulf Scharnbeck, der im Afrikanischen Viertel lebt und sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt. „Man muss auf jeden Fall darüber reden, aber sachlich und so, dass alle Betroffenen einbezogen werden“, sagt er. Das sei in den letzten Monaten und Jahren einfach nicht passiert. Er und viele andere im Kiez sehen eine Umbenennung kritisch.

Mehr Bewusstsein

Nicht nur wegen des hohen bürokratischen Aufwandes, der damit einhergeht. Ein Schreiben gegen die Umbenennung wurde vor Monaten unter anderem von vielen Gewerbetreibenden rund um Lüderitzstraße und Nachtigal unterschrieben. Andere Anwohner und Initiativen im Kiez wiederum begrüßen die Entscheidung, die nach Kolonialisten benannten Straßen umzubenennen. „Das Afrikanische Viertel glorifiziert immer noch den Kolonialismus und seine Verbrechen. Das ist mit unserem Demokratieverständnis nicht zu vereinbaren und beschädigt dauerhaft das Ansehen der Stadt Berlin“, heißt es dazu auch in der Begründung des Antrags von Grüne, SPD und Linke. Die neuen Namen gingen aus wissenschaftlichen Empfehlungen hervor, welche die Fraktionen zuvor eingeholt hatten. Dem voraus ging eine Umfrage in der Bevölkerung, die Namen – nach dem Wunsch der BVV „Persönlichkeiten, insbesondere Frauen der (post-) kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus den Ländern Afrikas“ – vorschlagen konnte.

Umwidmung vollzogen

Die nun ausgewählten Straßennamen verfehlen Scharnbecks Meinung nach ihr eigentliches Ziel. Auch Karina Filusch von der Initiative pro Afrikanisches Viertel sehe es lieber, wenn die Straßen umgewidmet werden oder den anderen Straßen im Afrikanischen Viertel gleich, nach afrikanischen Ländern benannt würden. Auch die Zweiteilung der Petersallee ist noch rechtlich umstritten. Eine Umwidmung hatte bereits im Jahr 1986 stattgefunden. Seitdem erklärt ein Schild, dass die Straße nicht an den auch als „Hänge-Peter“ bekannten Reichskommissar Carl Peters, der als Begründer der Kolonie „Deutsch-Osttafrika“ gilt, sondern an den CDU-Politiker Hans Peters erinnern soll.

Dieser war Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und gestaltete nach dem Zweiten Weltkrieg die Berliner Landesverfassung mit. Doch die Umbenennung oder Umwidmung von Carl zu Hans Peters ist wohl nie rechtskräftig geworden, erklärt die Senatsverkehrsverwaltung auf eine Frage des CDU-Abgeordneten Sven Rissmann. Ob eine Umbenennung der Petersallee nun rechtmäßig ist, muss noch geklärt werden. Bis zur tatsächlichen Umbenennung der drei Straßen kann es ohnehin noch dauern, sollten Anwohner wie angekündigt dagegen klagen.

Text und Bild: Katja Reichgardt