Der Schnitt durch die Mitte

Am Tag der Architektur kann dem Wachsen Berlins sehr nahe gekommen werden

Die Architektenkammer Berlin lädt am 23. und 24. Juni dazu ein, zeitgenössische Baukultur in der Hauptstadt zu entdecken. Der Tag der Architektur ist einer der Höhepunkte des MakeCity-Festivals in der Stadt. Zu den mehr als 130 Führungen in 70 Objekten kommen in diesem Jahr Stadtspaziergänge, Radtouren und Baustellenbesuche hinzu.

Am letzten Juniwochenende erläutern Berlins Architekturschaffende ihre Arbeiten – bei Führungen vor Ort in den unterschiedlichen Objekten, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Zu entdecken gibt es vielfältige Projekte aus Architektur, Landschafts- und Innenarchitektur. Viele Architekten öffnen zudem ihr Büro – mit Vorträgen, Ausstellungen, Festen und Gesprächen. Der Tag der Architektur ist jedes Jahr eine ideale Gelegenheit, um sich vor Ort ein Bild vom Stand der Baukunst zu machen und sich mit Fachleuten auszutauschen. Der Eintritt ist frei. Zu den meisten Terminen ist keine Anmeldung erforderlich.

Robuste Materialen

Am 23. Juni gibt es 14 und 16 Uhr Führungen durch das Aufbauhaus. Der zweite Bauabschnitt des Kreativzentrums war ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der im Krieg weitgehend zerstörten Einfassung des Moritzplatzes. Der Neubau vermittelt zwischen dem 2011 eröffneten ersten Bauabschnitt und dem denkmalgeschützten Elsnerhaus. Dabei findet er eine eigene Architektursprache in der Tradition typischer Industrielofts, wie sie auch in der Nachbarschaft zu finden sind.

Das Prinzip des Gebäudes mit seiner flexiblen Stahlbetonstruktur und einfachen, robusten Materialien und Oberflächen bietet den Rahmen für Kulturangebote und für Nutzer aus der Kreativbranche wie Galerien, Kunstschaffende, Agenturen oder Musikstudios. Der Neubau ist geprägt vom Raster der Betonkonstruktion und deren Ausfachung mit dunklen Granitelementen. Er gliedert sich in drei Teile mit unterschiedlichen Geschosshöhen, Fassadenrhythmen und variierender Plastizität. Einschnitte im Volumen stellen direkte Wege- und Blickbezüge zum Innenhof her und verknüpfen diesen mit dem Stadtraum.

Kostenlose App

Das gesamte Programm zum Tag der Architektur ist in gedruckter Form an vielen Orten in Berlin kostenfrei erhältlich, zum Beispiel bei den Touristeninformationen und im stadtweiten Kulturverteiler, bei der Architektenkammer Berlin und bei den teilnehmenden Büros vor Ort. Das Programmheft enthält alle Projektführungen und Veranstaltungen in den offenen Büros, sortiert nach Berliner Bezirken. Mit der kostenlosen App mit Routenplaner lässt sich der Tag der Architektur über Berlins Grenzen hinaus bequem planen.

Unser ganz spezieller Tipp für den 24. Juni, 11 Uhr: Eine rund zweieinhalbstündige Fahrradtour (eigenes Rad erforderlich!) führt als „Schnitt durch die Mitte“ vom IG Metall-Haus, dem Sitz der Architektenkammer Berlin (Alte Jakobstraße 149), über verschiedene Stationen zeitgenössischer Architektur zur Mitte Berlins mit Humboldt Forum und Museumsinsel.

Wohnen und Arbeiten am Jüdischen Museum / Bild: Thomas Müller

Mit dem neuen Quartier an der Blumenmarkthalle, der König Galerie in der ehemaligen Kirche St. Agnes, der Baustelle des Springer-Campus, dem Filterschiff des Flussbads Berlin, dem Neuen Wohnen am Schinkelplatz führt die Tour via Berliner Staatsoper und Pierre-Boulez-Saal zu den Baustellen des Berliner Schlosses und der James-Simon-Galerie. Mit dem Schnitt durch die Mitte präsentiert Ticket B – vor allem für baukulturell interessierte Laien einen anschaulichen Überblick über aktuelle Projekte der Berliner Architektur und Städteplanung von vielen führenden Architekten.

Datum 22. Juni 2018 Text: Manfred Wolf Bild: Stefan Müller