Siemens darf nicht ins Magnus-Haus ziehen

Senat lehnt Neubau-Pläne des Unternehmens ab.

250 Jahre geht die Geschichte des gelben, barocken Stadtpalais am Kupfergraben zurück. Und nach wie vor lockt das Magnus-Haus nicht nur Touristen an. Siemens plant seit Jahren, seine Hauptstadtpräsenz auf das Grundstück des Gebäudes zu verlagern. Nun wurde dem Unternehmen nach langen Diskussionen eine Absage erteilt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) lehnten das noch 2015 genehmigte Vorhaben in einer gemeinsamen Erklärung ab. „Wir haben uns schon immer für den uneingeschränkten Erhalt dieses baulichen Juwels und dessen Garten eingesetzt. Deshalb sind wir höchst erfreut, dass das Zuwarten von Siemens jetzt eine Neubeurteilung des Vorhabens ermöglichte“, erklären Senator und Bezirksstadtrat. Das Land Berlin werde dem Unternehmen aber dennoch mit Rat und Tat bei der Suche nach einer geeigneten Firmenrepräsentanz behilflich sein, so Lederer. 2001 hatte Siemens das Stadthaus erworben.

Umstrittene Entscheidung

Noch vor drei Jahren erhielt das Unternehmen in einem umstrittenen Verfahren den Bauvorbescheid und plante, im Garten des Gebäudes einen Neubau zu errichten. Denkmalschützer sprachen sich schnell für den Erhalt des gesamten Ensembles aus, das als letztes Beispiel eines barocken bürgerlichen Stadtpalais in Berlin-Mitte gilt. Auch Ephraim Gothe mahnt die Einzigartigkeit des Hauses zu bewahren: „Das Magnus-Haus stellt mit seinem Garten das letzte barocke Stadtpalais in Alt-Berlin dar. Es grenzt unmittelbar an die Museumsinsel und befindet sich damit in der Pufferzone einer Weltkulturerbestätte. Hier ist ein äußerst behutsamer Umgang mit dem denkmalrelevanten Bestand Pflicht“. Bereits zu Beginn der Planungen setzten sich Klaus Lederer, damals noch in der Opposition, und Gothe für den Erhalt des Hauses samt Garten ein.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), die seit 1990 Mieter des Hauses ist, fürchtete zudem, nach dem Bau aus den Räumlichkeiten verdrängt zu werden. Ihr Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2024. Für Siemens ist das Vorhaben aber trotz Absage vom Senat noch nicht vom Tisch. Sie haben die Entscheidung zur Kenntnis genommen, wollen aber weiterhin an dem Magnus-Haus festhalten, ließ das Unternehmen über einen Sprecher mitteilen. Noch könnte Siemens gegen den Senatsbeschluss Einspruch einlegen.

Datum: 1. August 2018, Text: Redaktion/Katja Reichgardt, Bild: WikimediaCommons/ OTFW, Berlin